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Die Ordnung der Gänsevögel (Anseriformes)

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Die Gänsevögel (Anseriformes) bilden eine Ordnung der Vögel (Aves). Die Gruppe umfasst unter anderem die umgangssprachlich als Gänse, Enten und Schwäne bezeichneten Vögel, aber auch beispielsweise die Wehrvögel Südamerikas. Gänsevögel gehören zu den bedeutendsten Vogelgruppen in den Feuchtgebieten der Erde.

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Stamm: Chordatiere (Chordata)
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)

Höckergans (Anser cygnoides var. domesticus) und Stockenten (Anas platyrhynchos) © Walter Welss

Schwan mit Reiherenten; Enten, Schwäne und Gänse gehören allesamt zur Familie der Entenvögel, innerhalb der Ordnung der Gänsevögel.

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Fliegende Plüschkopfenten (Somateria fischeri)
Die Plüschkopfente ist eine große Meerente, die an den Küsten von Alaska und dem nordöstlichen Sibirien lebt.

Merkmale

Gänsevögel haben im Allgemeinen einen prallen festen Körper mit vergleichsweise kleinem Kopf, der oft an einem langen Hals sitzt. Der Schnabel ist (außer bei den Wehrvögeln) breit und abgeflacht; an seiner Spitze befindet sich oft eine Verhärtung, die dem Abzupfen von Pflanzenmaterial dient, während sich an den Kanten kleine aus Horn bestehende „Zähnchen“, die Lamellen, befinden, die dabei helfen, essbare Partikel aus dem Wasser auszufiltern.

Ein weiteres charakteristisches Merkmal sind die Schwimmhäute zwischen den drei nach vorne weisenden Zehen, die allerdings bei den Wehrvögeln und der Spaltfußgans (Anseranas semipalmata) stark zurückgebildet sind. Wie schon der Name andeutet, werden sie zur schnellen Fortbewegung im Wasser genutzt.

Das Gefieder ist wasserdicht und bei vielen Arten, insbesondere bei den Männchen, sehr farbenprächtig. Es wird einer beständigen Pflege durch ein wasserabweisendes Öl unterzogen, das von einer auf dem Rumpf gelegenen und durch den Schnabel stimulierten Drüse sezerniert und dann durch Putzen der Federn über den ganzen Körper verteilt wird. Bei der Mauser verlieren die meisten Arten alle Federn gleichzeitig; die Männchen zeigen in dieser Zeit meist eine sehr unauffällige Gefiederzeichnung, die ihnen in ihrem flugunfähigen Zustand zur Tarnung vor Fressfeinden dient. Die Wärmeisolation wird durch eine dicke Lage von Daunenfedern und eine unter der Haut gelegenen Fettschicht gewährleistet.

Im Gegensatz zu anderen Vogelgruppen, bei denen die Männchen entweder gar keinen oder nur einen einfach gebauten Penis besitzen, sind bei den Gänsevögeln die Kopulationsorgane sehr gut entwickelt.

Flug

Die meisten Gänsevögel sind ausgezeichnete Flieger; die Streifengans (Anser indicus) ist sogar der höchstfliegende Vogel überhaupt. Zahlreiche Arten legen als Zugvögel ausgedehnte Wanderungen zwischen ihren Brutplätzen und Überwinterungsgebieten zurück, die viele tausend Kilometer lang sein können.

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Fliegender Stockenten-Erpel (Anas platyrhynchos) (c) Robbie 

Fliegende Kanadagänse (Branta canadensis

Lebensraum und Ernährung

Gänsevögel leben meist nah am Wasser, in Sümpfen und Mooren, den Mündungsgebieten oder Uferregionen von Flüssen oder an Küstengewässern. Manche Arten verbringen den Großteil ihres Lebens auf dem offenen Meer und kehren nur zum Brüten an Land zurück. Die meisten Vertreter suchen ihre Nahrung auf oder nahe der Wasseroberfläche, andere tauchen nach Wasserpflanzen, während insbesondere Gänse, Schwäne und Wehrvögel sich auch an Land unter anderem von Gräsern und Kräutern ernähren, die sie abäsen. Gänsevögel schlucken regelmäßig kleine Steinchen, die im muskulösen Magen als Gastrolithen zur Zerkleinerung der Nahrung dienen.

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Singschwan (Cygnus cygnus) Hokkaidō, Japan. (c) Austin 0201.jpg

Glanzente (Sarkidiornis melanotos)
(c) maritzasouthafrica

Singschwäne (Cygnus cygnus) Hokkaidō, Japan
(c) Austin 0201

Stammesgeschichte

Obwohl aus der Kreide fragmentarische Fossilfunde bekannt sind, die manchmal für Gänsevögel gehalten wurden, stammt der älteste zweifelsfreie Gänsevogel aus dem Paläozän. Es ist Presbyornis, der nach den Analysen von Livezey mit den Entenvögeln näher als mit den Wehrvögeln verwandt ist. Der fossile Vogel wurde zunächst für einen Verwandten der Säbelschnäbler oder der Flamingos gehalten, ehe ihn Harrison und Walker 1976 in die Nähe der Gänsevögel stellten.
Aus dem Paläozän und Eozän ist ausschließlich Presbyornis bekannt. Erst im Oligozän tauchen weitere fossile Gänsevögel auf, doch scheinen sie in dieser Zeit rar gewesen zu sein. Im Miozän kam es zur Herausbildung der heute bekannten Typen.

Systematik

Die Monophylie der Gänsevögel ist seit langem unbestritten. Dass die äußerlich abweichenden Wehrvögel in diese Gruppe gehören, wurde bereits 1863 von William Kitchen Parker aufgrund morphologischer Übereinstimmungen vermutet. Spätere Analysen bestätigten dies und zeigten, dass die Wehrvögel die Schwestergruppe aller anderen rezenten Gänsevögel sind.
Die beiden Ornithologen Storrs Lovejoy Olson und Alan Feduccia nahmen die Morphologie des fossilen Presbyornis zum Anlass, eine Verwandtschaft der Gänsevögel zu den Regenpfeiferartigen zu vermuten. Andere Wissenschaftler lehnten diese Theorie ab. Weitere mögliche Verwandtschaftsverhältnisse wurden zu den Hühnervögeln, den Schreitvögeln und den Flamingos hergestellt. Ein Schwestergruppenverhältnis zwischen Gänse- und Hühnervögeln findet derzeit die meisten Unterstützer, das gemeinsame Taxon wird Galloanserae genannt.

Man unterscheidet zehn Familien der Gänsevögel, von denen sieben ausgestorben sind. Von den übrigen drei haben zwei zusammengenommen nur vier Arten, und der überwältigende Rest von 169 Arten zählt zur Familie der Entenvögel.

Familien der Gänsevögel:
(→ Verlinkung zu Wikipedia)

  • Wehrvögel (Anhimidae)
     

  • Spaltfußgänse (Anseranatidae)
     

  • Entenvögel (Anatidae)
    mit Gänsen, Schwänen und Enten.
     

  • Presbyornithidae
    mit vier fossilen Arten des Paläozäns und Eozäns, die zur Gattung Presbyornis gezählt werden. Sie sind die ältesten bekannten Gänsevögel.
     

  • Romainvillidae,
    einzige bekannte Art ist Romainvillia stehlini aus dem Eozän/Oligozän, gänsegroß, vermittelt morphologisch zwischen Spaltfuß- und Pfeifgänsen.
     

  • Cygnopteridae
    mit drei Arten in der Gattung Cygnopterus aus dem Oligozän und Miozän; sie wurden oft für fossile Schwäne gehalten, verdienen nach Ansicht des Ornithologen Bradley C. Livezey aber den Rang einer eigenen Familie.
     

  • Brontornithidae
    mit der einzigen bekannten Gattung Brontornis, einem flugunfähigen Riesenvogel aus dem Miozän von Südamerika, der in vielen, vor allem älteren Publikationen aber den „Terrorvögeln“ (Phorusrhacidae) zugeordnet wird.
     

  • Paranyrocidae
    mit der einzigen bekannten Art Paranyroca magna, einem schwanengroßen Vogel des Miozäns Nordamerikas.
     

  • Donnervögel (Dromornithidae),
    riesige, flugunfähige Vögel mit sieben fossilen Arten vom Oligozän bis zum Pleistozän Australiens.
     

  • Garganornis ballmanni 
    eine großwüchsige, terrestrische Art aus dem späten Miozän von Süditalien (Gargano). 
    (unsichere systematische Stellung )

Wehrvögel (Anhimidae)

Die Wehrvögel sind eine Familie südamerikanischer Gänsevögel (Anseriformes), die drei Arten umfasst. Obwohl sie in der Gestalt eher truthuhnartig wirken, sind sie die nächsten Verwandten der Entenvögel. Zu ihren für Gänsevögel ungewöhnlichen Merkmalen zählen der hühnervogelartige Schnabel, die nur partiell ausgebildeten Schwimmhäute zwischen den Zehen, die allmähliche Mauser der Flugfedern, so dass sie ihre Flugfähigkeit anders als die meisten Gänsevögel nie verlieren, sowie ein einzigartiges Netz an Luftsäcken direkt unter der Haut. Bekannt sind Wehrvögel für ihre außerordentlich lautstarken Rufe, die ihnen im Englischen zum Namen Screamers (Schreier) verholfen haben.

Merkmale:

Auf den ersten Blick ähneln Wehrvögel eher Hühnervögeln als den eigentlich verwandten Entenvögeln. Neben der plumpen Körperform ist dafür vor allem der kleine Kopf mit dem kurzen Schnabel verantwortlich. Die zwischen 75 und 95 cm großen Tiere, die ein Gewicht von bis zu 4,5 kg erreichen können, haben lange, dicke Beine und überproportional große Füße mit langen Zehen und zurückgebildeten Schwimmhäuten, die sie für ein Leben in den flachen Gewässern von Marschland und Sümpfen rüsten.

Ein Geschlechtsdimorphismus besteht, abgesehen von einem geringfügigen Größenvorteil der Männchen, nicht. Der Rumpf ist von schwarzen bis graubraunen Federn bedeckt und enthält unter der Haut ein einzigartiges Netz kleiner Luftsäcke und die Knochen sind stärker pneumatisiert als bei allen anderen Vögeln.

An den Flügeln befinden sich je zwei spitze, an den Handgelenken verankerte Sporne, die bei Revierkämpfen und zur Verteidigung gegen Fressfeinde eingesetzt werden. Abgebrochene Sporne aus solchen Revierkämpfen sind bereits in der Brustmuskulatur von Wehrvögeln gefunden worden. Die deutsche Bezeichnung Wehrvögel geht auf diese Sporne zurück. Der Schnabel ist anders als bei den Entenvögeln stark abwärts gekrümmt.

Wehrvögel sind, sobald sie einmal in der Luft sind, gute Flieger, die große Höhen erreichen können. Ähnlich wie die Spaltfußgans mausern sie ihre Flugfedern allmählich, so dass sie anders als die meisten Vertreter der Entenvögel ihre Flugfähigkeit nicht verlieren. Sie sind schwimmfähig, auch wenn sie dies als adulte Vögel selten tun. Jungvögel der Wehrvögel schwimmen dagegen häufiger, während ihre Elternvögel watend nach Nahrung suchen.

Das Netz von Luftsäcken wird eingesetzt, um ein tiefes, durchdringendes Grollen hervorzubringen, das wohl als Warnung an Rivalen zu verstehen ist. Daneben bringen sie kreischende Laute hervor, die ihnen den englischen Namen Screamer eingebracht haben. Diese Rufe sind bis auf eine Distanz von 3 km hörbar.

Verbreitung und Lebensraum:
Wehrvögel kommen nur in Südamerika vor. Das Verbreitungsgebiet der drei Arten umfasst die Tiefebenen Kolumbiens und Venezuelas und ein großes Gebiet östlich der Andenkette von Bolivien über Brasilien bis ins zentrale Argentinien hinein.

Der bevorzugte Lebensraum der Wehrvögel ist sumpfiges Marschland, aber auch an den Ufern langsam fließender Flüsse, an Teichen und Tümpeln und in der offenen Savanne sind sie zu finden.

Systematik:

In der Familie der Wehrvögel gibt es zwei Gattungen mit lebenden Vertretern, die Schopfwehrvögel (Chauna) und die Hornwehrvögel (Anhima). Letztere umfassen nur eine Art, den Hornwehrvogel (Anhima cornuta), erstere dagegen zwei Arten, den Weißwangen-Wehrvogel (Chauna chavaria) und den Halsband-Wehrvogel (Chauna torquata). Die Schopfwehrvögel werden auch mit ihrem spanischen Namen als Tschajas bezeichnet.

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Hornwehrvogel (Anhima cornuta)
(c) Lilian Tomazelli 

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Weißwangen-Wehrvogel (Chauna chavaria)
(c) Don Marsille

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Halsband-Wehrvogel (Chauna torquata)
(c) João Vitor Andriola

Spaltfußgans (Anseranatidae)

Die Spaltfußgans ist die einzige Art der Familie Anseranatidae aus der Ordnung der Gänsevögel. Der auffällige, schwarz-weiß gefiederte Gänsevogel kommt ausschließlich in Australien und im Süden Neuguineas vor. Spaltfußgänse waren im tropischen Nordaustralien früher in großen Schwärmen zu beobachten, die mitunter bis zu 80.000 Individuen zählten. Ihre Zahl ist jedoch aufgrund großräumiger Entwässerungen zurückgegangen und in Australien ist die Art mittlerweile weitgehend geschützt. Trupps mit bis zu 5.000 Individuen werden jedoch noch regelmäßig gesehen.

Merkmale:

Die Männchen der Spaltfußgans erreichen eine Körperlänge von 75 bis 90 Zentimetern. Ihre Flügelspanne beträgt 130 bis 180 Zentimeter und sie wiegen durchschnittlich 2,8 Kilogramm. Weibchen bleiben etwas kleiner und erreichen eine Flügelspanne von 125 bis 165 Zentimeter. Sie wiegen durchschnittlich 2 Kilogramm. Neben dem deutlich größeren und auffälligeren Stirnhöcker des Männchens ist der Größenunterschied der einzige auffällige Sexualdimorphismus, das Gefieder der beiden Geschlechter unterscheidet sich nicht.
Spaltfußgänse können gut schwimmen, bewegen sich dabei aber sehr langsam fort und liegen sehr hoch im Wasser. An Land sind sie sehr beweglich, typisch für sie ist ein Hochstrecken des Kopfes, wenn etwas ihre Aufmerksamkeit erregt hat. Im Flug ist der Hals sehr weit nach vorne gestreckt. Sie gleiten nur in den Sekunden unmittelbar vor der Landung. Auf längeren Strecken bilden Trupps von Spaltfußgänsen eine V-Formation.

Verbreitung und Lebensraum:

Spaltfußgänse zählen zur Fauna Australiens. Die Spaltfußgans kommt in Neuguinea und im küstennahen nordöstlichen Australien vor. Für Tasmanien gab es zwei gesicherte Beobachtungen aus dem Jahr 1888; 1979 wurden erstmals wieder Spaltfußgänse auf Tasmanien beobachtet. Sie stammen möglicherweise von Vögeln ab, die im australischen Bundesstaat Victoria ausgewildert worden sind. Die Spaltfußgans besiedelt heute vor allem Regionen mit monsunartigen Regenfällen, dabei ist sie nur selten mehr als 300 Kilometer von der Küstenlinie entfernt. Früher war die Spaltfußgans auch in den gemäßigten Klimazonen im Südosten Australiens verbreitet.

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Spaltfußgans (Anseranas semipalmata)
(c) Graham Winterflood

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Spaltfußgans (Anseranas semipalmata)
(c) Allan Lugg

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Spaltfußgans (Anseranas semipalmata)
(c) judithbailey

Entenvögel (Anatidae)

Die Familie der Entenvögel (Anatidae) ist die artenreichste aus der Ordnung der Gänsevögel (Anseriformes). Sie umfasst 47 Gattungen und 174 Arten. Zu dieser Gruppe gehören so bekannte Typen von Wasservögeln wie die Enten, Gänse und Schwäne.

​☛ Die Entenvögel werden auf der nächsten Seite: Entenvögel (Anatidae) ausführlich behandelt.

Europäischer Gänsesäger (Mergus merganser ssp. merganser) (c) Bengt Nyman.jpg

Europäische Gänsesäger (Mergus merganser ssp. merganser) (c) Bengt Nyman

Höckerschwäne (Cygnus olor) (c) spinomal

Höckerschwäne (Cygnus olor)
(c) spinomaly

Prachteiderente (Somateria spectabilis) (c) Paul Cools.jpg

Prachteiderenten (Somateria spectabilis)
(c) Paul Cools

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Stockenten (Anas platyrhynchos
Foto: 3268zauber 

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Jungtier des Schwarzschwans (Cygnus atratus)
(c) deborod 

Singschwäne (Cygnus cygnus) (c) Keith Ya

Singschwäne (Cygnus cygnus) (c) Keith Yates

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