
Vögel und Menschen
Seit der Menschwerdung hat der Homo sapiens auch die Vögel aufmerksam beobachtet, um sich von ihnen orientieren oder warnen zu lassen, sie zu jagen oder einzufangen. Der afrikanische Honiganzeiger beispielsweise führt Menschen zu den Nestern von Wildbienen, um die Larven zu fressen, während der Mensch vom Honig profitiert.
In vielen Kulturen spielen Vogelarten daher in der Mythologie eine Rolle, vom Adler bis zum Sperling. Zu den mythischen Vögeln zählen etwa Phönix, Greif, Ziz (Jüdisch), Roch (Arabisch), Feng (Chinesisch) oder Garuda (Indisch). Daneben seien die Harpyien der griechischen Sagenwelt genannt sowie Wotans Begleiter, die Raben Hugin und Munin. Die Heraldik ist reich an stilisierten mythischen Vögeln. Hier tritt insbesondere der Adler in Erscheinung, der das Wappentier vieler Staaten ist (Deutschland, Österreich, Polen, USA u. a.). In der christlichen Ikonographie spielt der Pelikan eine wichtige Rolle, in der Religion der Jesiden der Blaue Pfau.
Vögel erscheinen in vielen Redensarten: Jemand „stinkt wie ein Wiedehopf“ oder ist „zänkisch wie eine Meise“ oder „ist einfach ein Gimpel“, wenn er „jedem auf den Leim geht“ (gemeint hier der Vogelleim). Gestisch kann man ihm „einen Vogel zeigen“.
Auch in den Künsten tauchen zahlreiche Vogelarten auf. Ein Beispiel ist Selma Lagerlöfs Roman Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen.

Phönix-Darstellung in Friedrich Justin Bertuchs Bilderbuch
Vögel als Nutztiere und Haustiere
Der Mensch hält zahlreiche Vogelarten als Nutz- oder Haustiere. Der Verzehr von Geflügel erfüllt eine wichtige Rolle bei der menschlichen Ernährung, denn das Fleisch ist fettarm und liefert hochwertiges Protein. Die Nutzung einheimischer Vogelarten als Haustier nimmt in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert jedoch stark ab. Waren es in den 1980er Jahren noch sieben Millionen Ziervögel (ohne Tauben), sind es im Jahre 2018 4,8 Millionen. Diese Zahlen erfassen jedoch nur die durch den Zoofachhandel verkauften Tiere. Eine nicht unerhebliche Anzahl dürften durch Hobby-Vogelzüchter zusätzlich gezüchtet/vermehrt werden.[19]
Zier- oder Heimvogel: Es gibt Heimvögel (Papageien), die keiner Haustierart angehören, sondern einer Wildtierart und dennoch in Haushalten gepflegt werden. Ziervögel werden hingegen vornehmlich artgerecht in Volieren, Vogelhäusern oder Zuchtanlagen im Garten gehalten. In der heutigen Zeit wird der Begriff Ziervogel jedoch für alle vom Menschen gehaltenen Vögel (außer Nutzgeflügel) verwendet.
Einige Arten, wenn bereits als Jungvögel und im Käfig geduldig dazu angehalten, lernen es auch, Worte und kurze Sätze nachzusprechen, so besonders – nach absteigender Gelehrigkeit geordnet – Papageien und Stare sowie verschiedene Arten der Rabenvögel. Vielfach lassen sie sich abrichten, z. B. Körner oder Obst von den Lippen aufzunehmen bis hin zur Dressur als Nutztier, beispielsweise als Jagdfalke oder Brieftaube. Bis in die 1950er Jahre waren Kanarienvögel in Deutschland wichtige Nutztiere im Kohlebergbau, wo ihr Verhalten vor dem Auftreten giftiger Gase (Kohlenmonoxid) warnte, die beim Stollenvortrieb austreten können.
Das direkte Zusammenleben mit Vögeln, insbesondere durch intensiven Kontakt auf engstem Raum, birgt für den Menschen jedoch mitunter Gefahren in Form übertragbarer Krankheiten (Zoonosen). Unter nichthygienischen Bedingungen ist in Einzelfällen in Asien beispielsweise der Erreger der Geflügelpest bzw. der Vogelgrippe H5N1 und der Vogelgrippe H7N9 auf den Menschen übertragen worden, der Krankheitsverlauf endet meist tödlich.
Nichtsdestotrotz wird das Hobby der Vogelhaltung und Vogelzucht auch in der Neuzeit ausgeübt.

Hühnerhof mit Enten, Tauben, Küken, Hühnern und Hahn auf einem Gemälde von Otto Scheuerer (1862–1934)
Wirtschaftliche Bedeutung
Hausvögel, die zur Fleisch- und Eierproduktion gehalten werden und als Geflügel bezeichnet werden, sind die wichtigste tierische Proteinquelle für den Menschen. Im Jahr 2003 wurden weltweit 76 Millionen Tonnen Geflügel und 61 Millionen Tonnen Eier produziert. Hühner machen den größten Teil des menschlichen Geflügelkonsums aus, obwohl auch Hausputen, Enten und Gänse relativ verbreitet sind.

Industrielle Hühnerzucht. Eine solche Käfighaltung von Hühnern ist heutzutage Gott sei Dank in unseren Breiten rückläufig und in vielen Ländern verboten. In weiten Teilen wird diese Haltungsform jedoch auch heute noch praktiziert. Die Tiere leiden sehr unter den Haltungsbedingungen, daher kann eine Käfighaltung von Hühnern nur als Tierquälerei bezeichnet werden.
Viele Vogelarten werden auch wegen ihres Fleisches gejagt. Die Vogeljagd ist, außer in extrem unerschlossenen Gebieten, hauptsächlich eine Freizeitbeschäftigung. Die wichtigsten Jagdvögel in Nord- und Südamerika sind Wasservögel; zu den weiteren häufig gejagten Vögeln zählen Fasane, Wildtruthähne, Wachteln, Tauben, Rebhühner, Auerhühner, Schnepfen und Waldschnepfen. Auch die Jagd auf Sturmvögel ist in Australien und Neuseeland beliebt. Obwohl einige Jagdformen, wie die Jagd auf Sturmvögel, nachhaltig sein können, hat die Jagd zum Aussterben oder zur Gefährdung Dutzender Arten geführt.
Zu den weiteren wirtschaftlich wertvollen Produkten von Vögeln zählen Federn (insbesondere die Daunen von Gänsen und Enten), die als Isolierung in Kleidung und Bettwaren verwendet werden, sowie Seevogelkot (Guano), eine wertvolle Phosphor- und Stickstoffquelle. Der Salpeterkrieg, auch Guano-Krieg genannt, wurde unter anderem um die Kontrolle von Guano-Vorkommen geführt.
Vögel werden vom Menschen sowohl als Haustiere als auch für praktische Zwecke domestiziert. Farbenfrohe Vögel wie Papageien und Beos werden in Gefangenschaft gezüchtet oder als Haustiere gehalten, eine Praxis, die zum illegalen Handel mit einigen bedrohten Arten geführt hat. Falken und Kormorane werden seit Langem zur Jagd bzw. zum Fischfang eingesetzt. Brieftauben, die mindestens seit 1 n. Chr. verwendet wurden, spielten bis zum Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle. Heute sind solche Aktivitäten eher als Hobby, zur Unterhaltung oder im Tourismus verbreitet.



Die Nutzung von Kormoranen durch asiatische Fischer ist stark rückläufig, aber in einigen Gebieten besteht sie weiterhin als Touristenattraktion.
Falkner des Bayerischen Jagdverbands mit Steinadler
Ein mongolischer Mann begutachtet seinen Steinadler (Aquila chrysaetos) vor der Teilnahme an einem Adlerjagd-Wettbewerb in der nördlichen Mongolei.
Viele Hausbesitzer stellen Futterhäuschen in der Nähe ihrer Häuser auf, um verschiedene Vogelarten anzulocken. Die Vogelfütterung hat sich zu einer Industrie entwickelt; so füttern beispielsweise schätzungsweise 75 % der Haushalte in Großbritannien im Winter Vögel.

Blaumeise an einem Meisenknödel
Foto: I, Luc Viatour
Vogelschutz
Viele ausgestorbene Vogelarten gehörten zu Inselpopulationen; sie wurden durch den Menschen oder von ihm eingeführte andere Tierarten verdrängt, ein Prozess, der schon vor Beginn der Industrialisierung einsetzte und sich nun verstärkt hat. Gegenwärtig gelten über 10 Prozent der über 11.270 rezenten Vogelarten als gefährdet. Sie werden in sogenannten roten Listen aufgeführt. Neue Berechnungen ergaben sogar, dass bis 2100 etwa zwölf Prozent der Arten aussterben könnten. Laut dem European Bird Census Council ist in Europa der Bestand bei den 146 gemessenen Arten zwischen 1960 und 2016 um 14 Prozent zurückgegangen. Betrachtet man nur die Landwirtschaftliche Nutzfläche, belief sich der Rückgang bei den 39 gemessenen Arten gar auf 56 Prozent. In Nordamerika ist die Vogelwelt zwischen 1970 und 2018 um 29 Prozent zurückgegangen.
„Wenn wir die ökologische Landwirtschaft nicht deutlich ausdehnen, können wir nicht sicher sagen, ob in zehn oder 20 Jahren von der jetzigen Vogelpopulation noch etwas übrig ist.“
– Peter Berthold, Ornithologe und Verhaltensforscher
Weltweit arbeitet die Vogelschutz-Organisation BirdLife International mit ihren jeweils nationalen Partnerorganisationen für den Schutz der Vögel und ihrer Lebensräume. In Deutschland ist der Naturschutzbund Deutschland (NABU, der Landesbund für Vogelschutz LBV in Bayern ist angegliedert) der nationale Partner von BirdLife. In der Schweiz arbeiten der Schweizer Vogelschutz SVS, ASPO, ASPU und in Österreich Birdlife Österreich für den Erhalt der Artenvielfalt als BirdLife-Partner.

Einst gab es nur 22 Kalifornische Kondore (Gymnogyps californianus), doch dank Schutzmaßnahmen ist ihr Bestand heute auf über 500 angestiegen.

Auf der deutschen Roten Liste hat die Uferschnepfe (Limosa limosa) den Status „vom Aussterben bedroht“

Auch der Wachtelkönig (Crex crex) ist wegen des Verlusts von Feuchtwiesen stark vom Aussterben bedroht, aber es gibt erfolgreiche Schutzprojekte.
Rechtliches zur Haltung von Vögeln in Menschenobhut
In Deutschland sind gemäß dem Tierschutzgesetz (TierSchG) die artgemäßen Bedürfnisse eines Vogels in der Haltung zu erfüllen. Die Haltung besonders und streng geschützter Arten sowie die Haltung von Kreuzungen nicht geschützter Arten ist verboten. Greifvogelhybriden dürfen nur innerhalb besonders gesicherter Volieren gehalten werden. Für die Unterbringung von Vögeln, Kleinvögeln, Greifvögel, Laufvögeln und Papageien gibt es jeweilige Mindestanforderungen, herausgegeben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.
In Österreich ist seit dem 1. Januar 2005 nach dem Tierschutzgesetz (TSchG) die Haltung von Vögeln in Menschenobhut strenger reglementiert als bisher. Insbesondere für nicht domestizierte Vögel wie Greifvögel, Papageien und viele andere ist nur mehr die artgerechte Haltung erlaubt, vielen arttypischen Bedürfnissen muss nun nachgekommen werden. Unter anderem ist die Einzelhaltung sozialer Vögel und das Einschränken der Flugfähigkeit (Flügelstutzen) – bis auf wenige Ausnahmen – generell verboten, Mindestgrößen für Käfige, Volieren und Schutzräume sind für die verschiedenen Arten festgelegt, wobei im Wesentlichen für domestizierte Vögel wie Hühner oder Wellensittiche kleinere Gehege zulässig sind. Handaufzuchten sind nur mehr in Ausnahmefällen, und dann nur mit Nestlingen (zur Vermeidung von Fehlprägungen) zulässig.
In der Schweiz ist für die Vogelhaltung in Menschenobhut eine Bewilligung von kantonaler Ebene notwendig. Geschützte Vogel dürfen nur zu dem Zweck gehalten werden, wenn die Haltung der Wiederauswilderung dient. Bei Vogelgrippegefahr ist die Haltung von Vögeln im Freien verboten. Bei der Haltung von nicht gefährdeten Vögeln müssen die tatsächlichen Bedürfnisse der Tiere erfüllt werden.

Domestizierte Wellensittiche (Melopsittacus undulatus f. domesticus) gehören zu den am häufigsten in Menschenobhut gehaltenen Vögeln. © Jef-B

Auch Kanarienvögel (Serinus canaria var. domesticus) zählen zu den Klassikern in der Vogelhaltung.
Vögel auf Flaggen und Wappen
Vögel auf Nationalflaggen symbolisieren oft Freiheit, Macht oder die einzigartige Natur eines Landes. Der Adler ist das am weitesten verbreitete vogelähnliche Symbol auf Flaggen und Wappen weltweit. Er wird oft mit Stärke und Unabhängigkeit assoziiert.


Auf der Flagge von Dominica ist die Kaiseramazone, der Nationalvogel des Landes, abgebildet.
Nationales Wappen von Papua-Neuguinea; Das Wappen ist eine teilweise stilisierte Darstellung des weit verbreiteten Paradiesvogels (Gattung Paradisaea).
Vögel sind in Wappen und Flaggen weit verbreitet und symbolisieren oft Macht, Freiheit, Mut und göttliche Boten, wobei der Adler (oft als Doppeladler) der bekannteste ist (z.B. Deutschland, Österreich), aber auch der Kondor (Südamerika) oder der Simbabwe-Vogel (Simbabwe) wichtige Nationaltiere sind; exotische Arten wie Papageien (Dominica, St. Lucia) und heimische wie Störche oder Rabben finden sich in vielen lokalen Wappen und repräsentieren kulturelle oder historische Bedeutungen.

