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Bienen und andere Hautflügler

Die Hautflügler (Hymenoptera) sind eine Ordnung der Insekten. Wie die Käfer, die Schmetterlinge und die Zweiflügler bilden sie eine der vier „megadiversen“ Insektenordnungen mit etwa 156.000 beschriebenen Arten aus 132 Familien. In Deutschland sind je nach Quelle 8896 bis 9625 Arten nachgewiesen. Hautflügler sind wegen ihrer Bedeutung für die Pflanzenbestäubung (Bienen), ihrer oft von keiner anderen Tiergruppe erreichten Dichte und Biomasse in zahlreichen Ökosystemen (Ameisen) und ihres großen und oft populationsbegrenzenden Einflusses auf alle anderen Insekten (Legimmen) eine ökologische Schlüsselgruppe mit entscheidender Bedeutung für Struktur und Funktion fast aller terrestrischen Ökosysteme. Daneben existieren zahlreiche weitere Gruppen mit einer Vielzahl anderer Spezialisierungen. Zu den Hautflüglern zählt die Mehrzahl der eusozialen Insektenarten, die Insektenstaaten bilden.

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Asiatischen Riesenhornisse (Vespa mandarinia)
(c) emura_atka 

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Azteca diabolica
(c) Mason Salem

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Parancistrocerus perennis
(c) Riley-Brendan Walsh

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Pleistodontes froggatti
(c) Edithvale-Australia Insects and Spiders

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Dicarnosis erythrocephala
(c) Jake Nitta

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Euglossa dilemma
(c) Edward Perry IV 

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Eciton hamatum
(c) Jonghyun Park

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Genetzte Gespinstblattwespe
(Caenolyda reticulata) (c) wp-polzin

Hautflügler sind meist kleine bis mittelgroße Insekten, die größten Arten wie Pepsis heros (Familie Pompilidae) erreichen etwa 6,5 cm Körperlänge und 10 cm Flügelspannweite. Zu den Hautflüglern gehören die kleinsten geflügelten Insekten, die eine Spannweite von nur etwa 1 mm erreichen. Die Hautflügler sind Holometabole Insekten mit raupen- oder madenähnlichen Larven, einem Puppenstadium und meist geflügelten Imagines. Der Kopf der Imagines ist meist sehr beweglich mit einer dünnen Halsregion (oder Zervikalregion) an den Rumpf angeschlossen. Der Hinterleib ist hingegen bei allen Hautflüglern dicht an den Thorax angeschlossen. Immer ist die Bauchplatte (Sternum/Sternit) des ersten Hinterleibssegments verloren gegangen. Bei den morphologisch ursprünglicheren Familien, die als Symphyta zusammengefasst werden, sitzt der meist walzenförmige Hinterleib breit am Thorax an. Bei den Taillenwespen (Apocrita) gewinnt das Hinterende durch eine Einschnürung des zweiten Hinterleibssegments an Beweglichkeit. Hier ist das erste Hinterleibssegment fest mit dem Thorax verschmolzen, der restliche Hinterleib sitzt mit einem (meist) aus dem zweiten Segment gebildeten Stielchen, dem Petiolus, an diesem an.

Systematik der Hautflügler

Die Hautflügler werden traditionell in folgende Gruppen eingeteilt:
☞ Verlinkungen zu Wikipedia

 

  • Unterordnung Pflanzenwespen (Symphyta); keine natürliche Gruppe (Monophylum), sondern eine Zusammenfassung mehrerer Entwicklungslinien

  • Unterordnung Taillenwespen (Apocrita); alle Arten zeigen eine charakteristische Einschnürung des Hinterleibs.
     

Die Darstellung unter Systematik der Hautflügler gibt die wichtigsten Familien wieder, die Ansichten verschiedener Autoren bezüglich der systematischen Einteilung gehen allerdings auseinander, es wird deshalb eine Gliederung aufgeführt, die am ehesten dem Konsens entspricht.

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Riesenholzwespe (Urocerus gigas) als Vertreterin der Pflanzenwespen (Symphyta) (c) Go Wild Scotland 

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Schlupfwespe (Megarhyssa nortoni ssp. nortoni) als Vertreterin der Taillenwespen (Apocrita)  (c) edoswalt 

Wehrstachel und Stich von Taillenwespen

Bei vielen Taillenwespen ist der Legebohrer in einen Wehrstachel umgewandelt. Man nennt sie dann – im Gegensatz zu den Legimmen (Terebrantia) – auch Stechimmen (Aculeata). Zu ihnen gehören unter anderem Ameisen, Faltenwespen und Echte Bienen (vor allem Honigbienen und Hummeln).

Die Weibchen der Wehrimmen können stechen, indem sie ihren Stachel in die Haut des Opfers einführen und durch den Stachel Gift aus einer Giftdrüse in das Opfer pumpen.

  • Faltenwespen (einschließlich Hornissen) ziehen den Stachel danach wieder heraus.

  • Honigbienen lassen ihn in der Haut zurück, allerdings nur beim Stechen von Gleichwarmen ("Warmblütern").

Ameisen mit zurückgebildetem Wehrstachel, z. B. Schuppenameisen (Formicinae), können sich auch wehren oder angreifen,

  • indem sie ihr Gift aus gewisser Distanz spritzen (z. B. in die Augen der Beutetiere)

  • oder indem sie erst mit den Kiefern beißen und dann in die Wunde hineinspritzen.

 

Hautflügler stechen Menschen normalerweise aus Notwehr, vor allem zur Verteidigung ihres Nestes und als direkte Verteidigungsreaktion. Zur Vermeidung von Stichen sollte man ihren Nestern bis auf etwa 4 Meter fernbleiben, sich in ihrer Nähe nur ruhig bewegen und nicht nach fliegenden Wespen oder Bienen schlagen. Bei ersten Stichen ist eine rasche Flucht angebracht, weil der Duft weitere Tiere herbeirufen kann.

Die Gefahr durch Stiche wird oft überschätzt:

  • Einzelne Stiche sind zwar schmerzhaft, aber meist ungefährlich, sofern die Schwellung nicht die Atmung behindert.

  • Bei Allergikern kann allerdings schon ein einzelner Stich starke Symptome hervorrufen.

  • Tödlich sind Insektenstiche für den Menschen nur sehr selten.

Wirtschaftliche Bedeutung

Als Bestäuber und Produzent von Honig haben die Honigbienen traditionell große wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung. Zur Bestäubung werden heute auch Hummeln kommerziell eingesetzt, z. B. zur Bestäubung von Tomaten in Treibhäusern. Diverse Arten von Schlupfwespen werden zur biologischen Schädlingsbekämpfung gezüchtet und vertrieben. Die Bedeutung von Ameisen, Wespen und Schlupfwespen im ökologischen Gleichgewicht ist immens, lässt sich jedoch kaum beziffern.

Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) ist nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier in der Landwirtschaft, mit einem geschätzten jährlichen Wert der Bestäubungsleistung von ca. 2 Milliarden Euro in Deutschland und über 150 Milliarden Euro weltweit. Ihre Hauptbedeutung liegt in der Bestäubung von Kulturpflanzen (Steigerung von Ertrag und Qualität) sowie der Produktion von Honig, Wachs, Propolis und Gelée Royale.

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