top of page

Beschreibung

Sie ist die nördlichste Vertreterin der Balkan-Populationen und ist nur in den Regionen südlich der Alpen autochthon (ursprünglich) beheimatet. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie im ganzen deutschsprachigen Raum verbreitet und hat dabei die nördlich der Alpen beheimatete Dunkle Europäische Biene fast vollständig verdrängt. Gründe waren die größere Volksstärke und der damit zu erreichende höhere Honig-Ertrag.

Da die Kärntner Biene vom südöstlichen Alpenklima geprägt wurde, kommt sie mit heißen Sommern und kalten Wintern gut zurecht. Die Feuchtigkeit und Unbeständigkeit des Meeresklimas bereitet ihr dagegen Schwierigkeiten, weswegen sie auch in England, Frankreich und Skandinavien kaum verbreitet ist. Die Kärntner Biene ist sanftmütig, hat aber im Gegensatz zu einigen anderen Unterarten der Apis mellifera einen erhöhten Schwarmtrieb.

Laut Veröffentlichungen des Carnica-Züchters Hans Peschetz gab es in Kärnten ein „Bienen-Rassen-Misch-Masch“ und erst ab 1929 wurde die Carnica (Stamm Glockner) vom Fuße des Großglockners in Kärnten gezüchtet und vermehrt. Es gibt derzeit in Kärnten Bienen mit einem relativ hohen Carnica-Anteil. Im Jahre 2014 gab es laut dem Zuchtbericht des Landesverbandes für Bienenzucht in Kärnten nur 20 anerkannte Carnica-Züchter.

Nach dem gültigen Kärntner Bienenwirtschaftsgesetz ist in Kärnten nur die Haltung „reinrassiger“ Bienen der Kärntner Biene erlaubt. Aus dem angrenzenden Italien als Heimat der Unterart Apis mellifera ligustica ist ein Einfluss dieser Drohnen nicht zu verhindern. In den österreichischen Bundesländern Wien, Niederösterreich, Steiermark und Kärnten ist grundsätzlich nur die Haltung oder Zucht von Kärntner Bienen mit ihr zugehörigen Stämmen und Linien zulässig. Die Haltung anderer „reinrassiger“ Bienen bedarf dort einer Genehmigung.

Merkmale

Innerhalb der Carnica-Rasse sind zwei Gruppen mit relativ geringen Merkmalsunterschieden zu erkennen, die sich zu wenig genau voneinander unterscheiden lassen, als dass man von einer eigenen Rasse sprechen könnte: die Alpine Population (Österreich, Slowenien, Slowakei) und die Pannonische Population (Ungarn, Karpaten, Großteil des ehemaligen Jugoslawiens), so Friedrich Ruttner.

Ruttner führt zur Panzerfarbe folgend aus: Helle Ringe am Hinterleib treten in der angestammten Population in allen Gebieten Österreichs, einschließlich der entlegensten Täler, einem Zehntel bis fast der Hälfte der Völker auf, wenn auch jeweils nur bei wenigen Bienen (5–10 %). Dieses Merkmal als Hybridzeichen aufzufassen ist demnach sicher falsch, es gehört eindeutig zum natürlichen Variationsspektrum dieser Biene. Im östlichen Flachland – von hier liegen allerdings nicht sehr viele Daten vor – scheinen die Ringe etwas häufiger vorzukommen als im Gebirge. Nach Südosten sind die Ringe auch vermehrt anzutreffen und es treten auch Doppelringe auf. In Ungarn fand Ferenc Bakk in einer umfangreichen Untersuchung bei einem Prozent der Arbeiterinnen zwei Ringe und bei sieben Prozent einen Ring.

Die Carnica ist besonders für ihre hervorragenden Eigenschaften in der Imkerei bekannt: 

  • Sanftmut:
    Sie gilt als extrem friedfertig und sticht nur selten, was sie ideal für Anfänger und für die Haltung in Wohngebieten macht.

  • Wabenruhe:
    Beim Öffnen des Stocks bleiben die Bienen ruhig auf den Waben sitzen (sie sind „wabenstetig“), anstatt nervös aufzufliegen.

  • Anpassungsfähigkeit:
    Sie kommt mit kalten Wintern und heißen Sommern sehr gut zurecht und passt ihre Volksstärke flexibel an das Nahrungsangebot an.

  • Hoher Ertrag:
    Sie ist sehr arbeitsam und liefert insbesondere bei der Frühtracht (erste Blütezeit im Frühjahr) hohe Honigerträge.

Wesentliche Merkmale der Kärntner Biene sind nach Friedrich Ruttner: 
(für Alpine Carnica – Zuchtvölker)

  • Gestalt:

    • mittelgroß

    • schlank

    • lange Körperanhänge

  • Panzerfarbe des Hinterleibes der Arbeiterinnen:

    • dunkel, mitunter lederbraune Ecken und 1 Ring (kein Bastardmerkmal)

Zusammenfassend stellt Ruttner das Merkmalsbild eines zuchtwürdigen Carnica-Volkes folgend dar: Gesamtbild: Grau, sanft, ruhig Arbeitsbienen-Farbzeichen: Das Zuchtziel ist rein dunkel. Nach der Zuchtordnung des Deutschen Imkerbundes sind nur Ecken, aber keine Ringe, zugelassen. Im „natürlichen Rassestandard“ der Carnica sind in allen Herkünften braune Ringe in wechselnder Häufigkeit enthalten. Die Bewertung der Farbzeichen ist eine Frage der züchterischen Übereinkunft und nicht der Rassereinheit. Das plötzliche Auftreten von Ringen in einer früher einheitlich guten Linie ist ein Hinweis auf Einkreuzung.

original_edited.jpg

Kärntner Biene (Apis mellifera carnica)

(c) Ahmed Mujčinović 

Körperbau

Die Körperlänge der Tiere beträgt 15 bis 18 Millimeter bei der Königin, 13 bis 16 Millimeter bei Drohnen und 11 bis 13 Millimeter bei Arbeiterinnen. Die Arbeiterinnen erreichen ein Durchschnittsgewicht von 82 Milligramm, die Königin dagegen ein Gewicht von 250 bis 300 Milligramm. Diese Zahlenwerte gelten für die fast ausschließlich weltweit in der Imkerei gehaltenen europäischen Rassen der Westlichen Honigbiene, einige Rassen aus den wärmeren Klimaregionen Afrikas sind dagegen kleiner. Man kann die Königin leicht an ihrer Größe und dem verlängerten Hinterleib erkennen. Die Drohnen unterscheiden sich von den Arbeiterinnen vor allem durch ihre deutlich größeren Facettenaugen.

Die Grundfarbe der Westlichen Honigbiene ist braun, wobei bei einigen Rassen vor allem die ersten Hinterleibssegmente auch gelblich, orange über rot bis lederbraun gefärbt sein können. Am hinteren (basalen) Bereich besitzen die Segmente des Hinterleibs (Abdomen) jeweils eine helle, filzartige Haarbinde, die die helle und dunkle Streifenfärbung bewirkt. Anders als oft z. B. in Kinderbüchern dargestellt, ist der Hinterleib der Honigbiene also nicht schwarz-gelb gefärbt, im Unterschied zur schwarz-gelben Warnfärbung der Wespe. Der Brustteil (Thorax) der Tiere ist gelbbräunlich behaart.

Schéma_abeille-tag_edited.png

1: Zunge; 2: Mündung der Hinterkieferdrüse;
3: Unterkiefer; 4: Hauptmandibeln; 5: Oberlippe;
6: Unterlippe; 7: Mandibeldrüse
(Oberkieferdrüse);
8: Hintere Mandibeldrüse; 9: Mundöffnung (Schlund); 10: Futtersaftdrüse; 11: Gehirn;
12: Punktaugen; 13: Brustspeicheldrüsen;
14: Brustmuskeln; 15: Flugspange; 16: Vorderflügel;

​17: Hinterflügel; 18: Herzschlauch; 19: Stigmata; 
20: Luftsack; 21: Mitteldarm; 22: Herzklappen

23: Dünndarm; 24: Duftdrüse;25. Hinterleibsdrüsen; 26: Kotblase; 27: After;

28: Stachelscheide; 29 Giftblase; 30: Bogen des Stachelkanals; 31: Giftdrüsen; 32: Kleine Drüse; 33: Samenblase; 34: Wachsdrüsen;
35: Bauchmark; 36: Ventilschlauch;
37: Ventiltrichter; 38: Eingang zum Ventiltrichter (Mageneingang); 39: Honigmagen;
40: Herzschlinge (Hauptschlagader);

41: Speiseröhre; 42: Nervenstrang; 43: Kiefer;
44: Pollenbürste

a: Hüfte; b: Oberschenkelring; c: Oberschenkel; 
d: Schiene; e: Pfote mit 5 Artikulationen und Klauen; f: Tarsus; g: Tarsusgelenk; h: Krallen

Honig

Die Carnica-Biene ist für ihre hohe Honigleistung, Sanftmut und rasche Frühjahrsentwicklung bekannt. Sie gilt als sehr ertragreich, insbesondere bei der Nutzung früher Trachten. Ihre Anpassungsfähigkeit an kühle Klimata und der effiziente Sammeltrieb machen sie zu einer der beliebtesten Bienenrassen in Mitteleuropa. Sie zeichnet sich durch eine sehr schnelle Volksentwicklung im Frühjahr aus. Dadurch nutzt sie frühe Trachtquellen optimal aus.

Der Honig der Kärntner Biene ist beispielsweise im Rosental als "Rosentaler Carnica Honig" bekannt und geschätzt, was auf ihre lange Tradition in dieser Region zurückgeht. 

Bee_on_-calyx_935_edited.jpg

Saugende Honigbiene am Blütenkelch der Goldrute 
(Foto: MikePhobos)

Honigwabe_verdeckelt_edited.jpg

Fast vollständig verdeckelte und schleuderreife Honigwabe

(Foto: Axel Hindemith)

Carnica und Buckfastbiene

In Deutschland und Österreich wird von einigen Erwerbsimkern die Haltung der Buckfastbiene präferiert, während andere Erwerbs- und der überwiegende Teil der Hobbyimker die Kärntner Biene halten und züchten. In Kärnten kam es daher zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Erwerbs- und Hobbyimkern um das Kärntner Bienenwirtschaftsgesetz vom 5. Juli 2007, das die Haltung, Wanderung und Zucht von Bienen, die nicht der Rasse „Carnica“ (Apis mellifera carnica) angehören, von einer (in der Regel nicht erteilten) Bewilligung der Landesregierung abhängig macht. Dabei kam es 2015 zu Anzeigen gegen und Selbstanzeigen von Imkern, um eine Gesetzesänderung zu erreichen. Der Obmann der Erwerbs-Imker argumentierte dabei: „Das Bienenwirtschaftsgesetz verlangt eine Reinzucht der Carnica und eine Reinzucht der Carnica ist in Kärnten zu 95 Prozent nicht vorhanden.“ Der Obmann des Landesverbandes der Kärntner Imker, Meinhard Schöffmann, argumentiert dagegen: „Gerade aus dem Kreis, die dafür verantwortlich sind, dass wir in Kärnten hybridisierte Bienen haben, werden jetzt jene, die sich darum bemühen, die Carnica in Kärnten zu erhalten, zur Anzeige gebracht.“ Trotz der Auseinandersetzungen ist das Kärntner Bienenwirtschaftsgesetz in seiner bestehenden Form weiterhin in Kraft. In der benachbarten Steiermark plant die Landesregierung eine Lockerung der Vorschriften.

Die Buckfastbiene ist eine Züchtung der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera). Sie ist das Ergebnis von zahlreichen Zuchtfortschritten, die von Karl Kehrle, einem Imker, ab 1916 im englischen Kloster Buckfast und später von der internationalen Gemeinschaft der Buckfastzüchter erbracht wurden. Das züchterische Ergebnis von Karl Kehrle war eine „erbfeste“, friedliche, schwarmträge Biene, die bei Verwendung einer modernen Wirtschaftsweise mit der quadratischen Dadant-Magazin-Beute überdurchschnittliche Erträge brachte. Heute ist die Buckfastbiene weltweit verbreitet.

Während Buckfastbienen theoretisch aufgrund der Bildung größerer Völker oft als ertragreicher gelten, punktet die Carnica durch ihre Vitalität und überdurchschnittliche Honigerträge, besonders bei angepasster Betriebsweise.

original_edited.jpg

Die Carnica ist eine sehr effiziente Sammlerin, bekannt für ihre hohe Honigproduktion. (c) Ahmed Mujčinović 

Buckfast_bee_edited.jpg

Buckfastbienen mit einem lederbraunen ersten Hinterleibsring (Foto: MikePhobos)

Sozialstruktur

Honigbienen sind Insekten und lassen sich domestizieren und gradweise auch zähmen. Eine erfolgreiche Haltung erfordert, den Bien zu verstehen.

Phänotypen:

Im Bienenstock gibt es drei Typen von Bienen, die sich in Größe und Körperform unterscheiden. Die Königin ist etwas größer und hat einen langen und schlanken Hinterleib, der die Flügelspitzen weit überragt. Sie ist normalerweise das einzige voll entwickelte Weibchen im ganzen Stock, sozusagen die Mutter des gesamten Bienenstaates. Die große Masse des Volkes wird von den Arbeiterinnen gebildet, zigtausend kleineren Weibchen, deren Ovarien im Vergleich zur Königin viel kleiner und wesentlich weniger leistungsfähig, aber dennoch voll funktionsfähig ausgebildet sind.

Von einer gesunden Königin wird fortlaufend eine Botenstoffmischung, die sogenannte Königinnensubstanz (englisch: Queen Mandibular Pheromone – QMP), aus ihren Mandibeldrüsen in den Stock abgegeben. Das in dieser Mischung enthaltene Pheromon namens 9-Oxo-trans-2-Decensäure unterdrückt bei den Arbeiterinnen die Funktion ihrer Ovarien und damit eine mögliche Eiablage. Aus unterschiedlichen Gründen kommt es bei der einen oder anderen Arbeiterin gelegentlich dazu, dass die Pheromone der Königin nicht wie beabsichtigt wirken und diese Arbeiterin dann Eier legt. Deshalb kontrollieren sich alle Arbeiterinnen ständig gegenseitig, ob eine von ihnen doch Eier legt, welche dann von den anderen Arbeiterinnen oder der Königin unverzüglich abgetötet werden.
Außerdem sorgt diese Botenstoffmischung für eine Veränderung des Lernverhaltens der jungen Arbeiterinnen. Als frisch geschlüpfte Bienen sind sie in ihren ersten Lebenstagen dafür zuständig, ihre Königin zu füttern und zu pflegen. Bei dieser Tätigkeit sind sie hohen Dosen von QMP ausgesetzt, welches in erster Linie bewirkt, dass bei jungen Arbeiterinnen aversives Lernen verhindert wird. Sie entwickeln folglich keine Aggressionen untereinander und gegen ihre Tätigkeit, und verrichten ihre Aufgabe friedlich und widerstandslos. Insbesondere verzichten sie dadurch auf den Einsatz ihres Stachels bei unangenehmen Erfahrungen im Bienenstock. Dagegen ist appetitives Lernen durchaus ausgeprägt, d. h. angenehme Reize führen zu Lernerfahrungen. Mit fortschreitendem Alter der Bienen lässt der Einfluss der Pheromone zu ihrem Überlebensvorteil nach, da nun die Arbeiterinnen andere Aufgaben wie beispielsweise die Nahrungssuche übernehmen müssen. Hierbei ist Lernen auch durch unangenehme Erfahrungen unbedingt erforderlich.

Zur Zeit, in der auch Schwärme möglich sind, etwa von April bis Juli, gibt es als dritten Phänotyp auch noch ca. 500 bis maximal 2000 Drohnen im Bienenvolk. Diese sind größer als die Arbeiterinnen und fallen durch ihre plumpe, gedrungenere Körperform und ihre großen Augen auf. Sie besitzen als männliche Tiere keinen Giftstachel. Ihre Antennen sind darauf spezialisiert, den Pheromonduft von jungen Königinnen aufzunehmen, um sich dann hoch in der Luft (im Flug) mit diesen zu paaren, siehe auch Drohnensammelplatz.

Bienenkoenigin3_edited.jpg

Die Bienenkönigin (Mitte) mit ihrem Hofstaat. Die Königin wird gerade von einer Arbeiterin gefüttert. (Foto: Waugsberg)

Fortpflanzung:

Etwa 3 bis 4 Tage alte Drohnenlarven im milchigen Futtersaft liegend und am Zellenboden haftende stiftförmige Eier
Die heute weltweit in der Imkerei gehaltenen Rassen der Westlichen Honigbiene leben in einem Staat, der als Maximum etwa zur Sommersonnenwende 40.000 bis 60.000 Bienen beherbergt. Die meiste Zeit des Jahres besteht das Bienenvolk nur aus Weibchen: aus der Königin, die als einzige Eier legt (bis zu 2000 Stück am Tag), und aus den unfruchtbaren Arbeiterinnen, die Pollen und Nektar sammeln, die Larven aufziehen und den Stock verteidigen. Ab dem Frühsommer werden auch laufend einige hundert männliche Bienen (Drohnen) aufgezogen.

Die Drohnen entstehen durch Parthenogenese, indem die Königin unbefruchtete Eier legt. Allein durch die besondere Form der Königinnenzelle an der Bienenwabe und die unterschiedliche Fütterung der Larven wird bestimmt, ob sich ein befruchtetes Ei zu einer Königin oder Arbeiterin entwickelt. Die Differenzierung der Larve zur Königin wird vor allem dadurch bestimmt, dass sie in weit größerem Maße als die Arbeiterinnenlarven den sogenannten Futtersaft Gelée royale erhält. Königinnen leben mehrere Jahre, während die Lebensspanne von Arbeiterinnen einige Wochen oder Monate beträgt.

Erreicht ein Bienenvolk ab etwa Mai eine gewisse Größe, so schwindet das Raumangebot im Stock (beispielsweise in der Magazin-Beute). Sinkt zudem die Konzentration bestimmter Pheromone unter einen Schwellenwert, so werden die Aufzucht neuer Königinnen und der Schwarmtrieb ausgelöst. Das Bienenvolk teilt sich, indem etwa eine Woche, bevor die erste neue Königin schlüpft, die Hälfte des Volkes mit der alten Königin ausschwärmt und eine neue Kolonie gründet.

Eine junge Königin fliegt im Alter ab sechs Tagen bei geeignetem, sonnigem Wetter mehrmals zu einem Hochzeitsflug aus. Dabei paart sie sich mit insgesamt bis zu 20 Drohnen anderer Staaten hoch in der Luft. Der Drohn stirbt bei der Kopulation. Die befruchtete Königin fliegt zum Stock zurück.

Gegen Ende der Brutsaison werden die im Volk verbliebenen Drohnen von den Arbeiterinnen aus dem Stock vertrieben oder mit Stichen getötet, was Drohnenschlacht genannt wird.

Ein nachgewiesener Vorteil der Promiskuität der Bienenkönigin ist die damit erreichte Steigerung der genetischen Vielfalt neuer freier Bienenvölker. Diese bewirkt, dass solche Völker im Vergleich zu experimental erzeugten genetisch einheitlichen Bienenvölkern mehr Nachwuchs aufziehen, mehr Futter sammeln und größere Vorräte anlegen, wodurch in der Regel mindestens ein Viertel dieser Völker auch den ersten Winter überstehen. Genetisch einheitliche Bienenvölker hatten dagegen ihre Vorräte spätestens im Dezember aufgebraucht und verhungerten anschließend.

Bienenwabe_mit_Eiern_und_Brut_5_edited.j

Etwa 3 bis 4 Tage alte Drohnenlarven im milchigen Futtersaft liegend und am Zellenboden haftende stiftförmige Eier (Foto: Waugsberg)

Honeybee_drone,_m,_side,_MD,_pg_county_2014-06-19-18.02.13_ZS_PMax_(14466470971).jpg

Drohn (männliche Biene) (Foto: USGS Bee Inventory and Monitoring Lab from Beltsville, Maryland, USA)

Schwärmen und Nistplatzsuche

Bienen gründen neue Völker, indem ein Schwarm, ein Teil des bestehenden Volks, auszieht und sich ein neues Zuhause sucht. Ein typisches Merkmal der Carnica Biene ist ihr ausgeprägter Schwarmtrieb. Im Gegensatz zu anderen Zuchtrassen wie der Buckfast-Biene neigt sie eher dazu, das Volk bei Platzmangel oder starkem Wachstum zu teilen, was für Imker eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordert.

Die Schwarmzeit ist im Frühsommer, damit genügend Zeit für die Suche nach einem geeigneten Platz und für das Anlegen der Wintervorräte ist. Der Bienenschwarm, der sogenannte Vorschwarm, das sind etwa 6000 bis 14.000 Bienen beziehungsweise zwei Drittel eines alten Bienenvolks, verlässt mit der alten Königin, die seit einiger Zeit nicht mehr gefüttert wurde, sein Volk. Die Schwarmbienen haben sich zuvor stark mit Honig gesättigt und waren bis dahin sehr inaktiv. Die Muskulatur der auszugswilligen Bienen beginnt zu zittern, ihre Flugbereitschaftstemperatur steigt auf 35 °C. Bis heute ist nicht bekannt, welche Reize bei den aufbruchswilligen Bienen das Signal auslösen, dass sie zusammen plötzlich aufbrechen. Der Schwarm lässt sich nach Auszug in der Nähe als Traube für wenige Stunden nieder. Oft dienen Bäume als Raststätte. Wenige hundert Kundschafterinnen, etwa 3–5 Prozent des Schwarms, erkunden die nähere Umgebung nach einem neuen optimalen Nistplatz. Sie teilen den anderen Bienen in der Schwarmtraube mehrere geeignete Plätze durch Schwänzeltanz mit, den sie auf dem Rücken der wartenden Bienen ausführen. Zunächst weisen die Kundschafterinnen auf verschiedene geeignete Orte in einem Radius von bis zu 5 Kilometern hin. Diese Orte werden von den Kundschafterinnen nach sechs bis zehn Kriterien bewertet. Unter den Kriterien sind neben den genannten auch die Höhe des Eingangs über dem Boden, eventuell vorhandene Waben eines früheren Bienenschwarms, Feuchtigkeit und die Entfernung vom bisherigen Bienenvolk. Mit Dauer und Intensität des Schwänzeltanzes wird den Bienen im Schwarm die Qualität jedes potenziellen Nistplatzes mitgeteilt. Besonders eifrige Kundschafterinnen (Spurbienen) veranlassen die anderen, ebenfalls ihr Angebot zu überprüfen. Nur selten können die Bienen des Schwarms sich nicht auf einen Platz einigen oder verlieren ihre Königin, die sie aber in der Regel wieder finden. Es kommt vielmehr in der zur Verfügung stehenden Zeit von wenigen Tagen, in denen die Bienen keinerlei Nahrung zu sich nehmen, zu einem komplizierten, optimalen Abwägungs- und Entscheidungsprozess.

Weist zum Schluss eine große Zahl von Kundschafterinnen auf denselben Ort, wird im Schwarm ein bis heute biochemisch nicht näher analysierter Schwellenwert oder Quorum überschritten. Das Schwellenwertprinzip bei der Nistplatzwahl konnte von Seeley mathematisch simuliert werden. Ist der Schwellenwert erreicht, bricht der Schwarm zusammen mit der Königin auf. Die Königin selbst hat keine Mitwirkung an der Schwarmentscheidung. In der Schwarmwolke weisen Spurbienen den Weg, indem sie immer wieder im Schwarm nach vorne fliegen und außen am Rand langsam wieder zurück. In der Nähe des Ziels fliegen sie zum Eingang und sterzeln, sie weisen also dem Schwarm durch Duftstoffe den Weg.

Mit dem gesamten geschilderten Prozess, einer Kombination aus individueller Intelligenz (Bewertung eines Nistplatzes durch einzelne Kundschafterinnen) und kollektiver Intelligenz oder Schwarmintelligenz (Entscheidung des Schwarms), wird in einem demokratischen Verfahren durch wenige Repräsentanten des Schwarms in kurzer Zeit ein für den ganzen Schwarm bestmöglicher und von allen akzeptierter Konsens für die neue Behausung gefunden und diese bezogen.

A_swarm_of_Apis_mellifera_-_20051109_edi

Bienenschwarm an einem Zaun (Foto: Bidgee.)

original_edited.jpg

Bienenschwarm in einem Baum (c) Manuel Raab

Aufbau des Nests

Bienen bauen ihre Waben aus Wachs, das sie in Form kleiner Schuppen aus den Wachsdrüsen ihrer Bauchringe ausschwitzen. In den Waben ziehen sie ihren Nachwuchs auf und lagern Honig sowie Pollen. Der Honig dient als Energiequelle und liefert dem Bienenkörper sozusagen das Heiz- und Betriebsmaterial. Der eiweißreiche Blütenstaub bietet dem wachsenden Bienenkörper die Baustoffe. Der Honig wird von den Bienen entweder aus dem Nektar von Blüten oder aus Honigtau erzeugt. Honigtau kann von Sekreten lebender Pflanzen stammen oder von Sekreten, die von Insekten abgesondert wurden, die auf diesen Pflanzenteilen leben (Beispiel: Tannenhonig).

Da in einem Bienenstock die Insekten auf engstem Raum bei etwa 35 °C zusammenleben, herrschen dort im Grunde ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Krankheiten. Deshalb dient ein von den Bienen in erster Linie aus Baumharz und Pollen selbst hergestellter Kitt (Propolis) mit seiner Verwendung zum Abdichten von kleinen Öffnungen, Spalten und Ritzen dazu, Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen, die in den Stock eingeschleppt werden könnten oder vorhanden sind, in ihrer Entwicklung zu hemmen oder sogar abzutöten. Hierzu werden Oberflächen, beispielsweise auch das Innere der Wabenzellen für die Brut, mit einem hauchdünnen Propolisfilm überzogen.

original_edited.jpg

Wabenbau der Westlichen Honigbiene
(c) Jessica Peruzzo

original_edited.jpg

Bienenvolk in einem hohlen Baum (c) Vincent A. Vos

bottom of page