
Die Familie der Kamele (Camelidae)

Vikunjas (Lama vicugna) (c) Nicolás Villaseca Merino
Die Kamele (Camelidae) sind eine Säugetierfamilie aus der Ordnung der Paarhufer, innerhalb derer sie die einzige heute noch existierende Familie der Unterordnung der Schwielensohler darstellen. Sie lassen sich in zwei Gruppen unterteilen: Die erste Gruppe bilden die Altweltkamele (Camelus) mit dem Dromedar oder Einhöckrigen Kamel und dem Trampeltier oder Zweihöckrigen Kamel, auch Großkamele genannt. Die zweite Gruppe umfasst die Neuweltkamele welche aus den höckerlosen Kleinkamelen besteht.

Baktrisches Kamel (Camelus bactrianus) (c) Pavel Belov

Guanako (Lama guanicoe)
Allgemeine Merkmale
Kamele sind Tiere, die durch einen langen, dünnen Hals, einen kleinen Kopf und relativ langgestreckte, schlanke Beine charakterisiert sind. Hinsichtlich der Größe gibt es aber deutliche Unterschiede zwischen den Neuweltkamelen, die ein Gewicht von 35 bis 150 Kilogramm erreichen, und den Altweltkamelen, die zwischen 300 und 700 Kilogramm schwer werden.
Namengebend für die Unterordnung („Schwielensohler“) ist der Aufbau der Füße: Im Gegensatz zu den meisten anderen Paarhufern, die mit den hufumkleideten Spitzen der Zehen auftreten, berühren die Kamele mit dem vorletzten und letzten Glied der Zehen den Boden. Sie tragen keine Hufschalen, sondern gebogene Nägel, wodurch aber nur die Vorderkante der Füße geschützt wird. Die Zehen ruhen auf einem elastischen Polster aus Bindegewebe, das eine breite Sohlenfläche bildet. Die jeweils zwei Zehen sind die Mittelstrahlen (dritter und vierter Zeh), die übrigen Zehen sind völlig rückgebildet. Darüber hinaus sind Mittelhand- und Mittelfußknochen zum so genannten Kanonenbein verwachsen und auch die Unterarmknochen sind teilweise zusammengewachsen. Im Gegensatz zu den (meisten) übrigen Paarhufern bewegen sich Kamele im Passgang fort, das heißt, es wird immer abwechselnd das linke und rechte Beinpaar bewegt. Aus diesem Grund werden sie auch „Wüstenschiffe“ genannt, da sie den Reiter hin und her schaukeln.

Passgang eines Trampeltiers
Animierte Serienfotografie von Eadweard Muybridge (1887)

Schädel eines Trampeltiers. Das Diastema im Gebiss ist erkennbar
Der Schädel der Kamele ist flach und langgestreckt, Hörner oder ein Geweih sind nicht vorhanden. Die Oberlippe ist gespalten, die Nüstern sind verschließbar. Diese Tiere haben 30 bis 34 Zähne: pro Kieferhälfte ist nur ein oberer Schneidezahn vorhanden, der eckzahnähnlich entwickelt ist, die insgesamt sechs spachtelförmigen unteren Schneidezähne ragen nach vorne. Zwischen dem Eckzahn und den Backenzähnen klafft eine als Diastema bezeichnete Lücke. Es fehlen die beiden inneren oberen Schneidezähne, sie werden wie bei den Wiederkäuern durch eine Dentalplatte ersetzt, welche aus Bindegewebe besteht und mit Epithel bedeckt ist. Der jeweils äußere obere Schneidezahn ähnelt einem Eckzahn. Eine Besonderheit findet sich bei den Vikunjas, deren untere Schneidezähne ständig nachwachsen, was einmalig unter den Paarhufern ist. Bei den Altweltkamelen bestehen je Gebisshälfte oben drei und unten zwei Prämolaren. Dem gegenüber ist die Anzahl der Vormahlzähne bei den Neuweltkamelen reduziert.
Verdauungstrakt
Obwohl die Kamele nicht zur zoologischen Unterordnung der Wiederkäuer gerechnet werden, kauen Kamele wieder und haben wie diese einen mehrkammerigen Magen, der zur besseren Verdauung der rein pflanzlichen Nahrung dient, sich wohl aber unabhängig vom Magen der Wiederkäuer entwickelt hat (konvergente Evolution, z. B. auch bei den Kängurus). Sie haben im Gegensatz zu den Wiederkäuern einen dreigliedrigen und keinen viergliedrigen Magen: zwei Vormägen, die im Unterschied zu denen der Wiederkäuer mit Drüsen ausgestattet sind, und den eigentlichen oder Labmagen.
Anpassungen an extreme Lebensräume
Da Kamele vorwiegend trockene Regionen bewohnen, haben sie eine Reihe von Merkmalen entwickelt, mit dem Wasser besser hauszuhalten. Stark verlängerte Henlesche Schleifen in den Nieren sorgen für eine hohe Konzentration des Urins, auch der Kot ist im Vergleich zu anderen Säugetieren verdickt. Eine Besonderheit sind die Roten Blutkörperchen, die nicht rund, sondern oval sind. Diese Form bewirkt, dass Kamele in kürzester Zeit sehr viel Wasser aufnehmen können (kolportiert werden 200 Liter in 15 Minuten) ohne die Gefahr einer Wasserintoxikation („Überwässerung“ des Körpers). Bei den Neuweltkamelen bewirkt die ovale Form eine bessere Sauerstoffaffinität, was ihnen ein Überleben in der dünnen Atmosphäre in Höhen über 5000 Metern ermöglicht. Die Körpertemperatur der Kamele ist variabler als die der meisten anderen Säugetiere und kann um 6 bis 8 °C schwanken, was das Schwitzen deutlich vermindert.
Altweltkamele sind durch die Höcker charakterisiert, die entgegen der landläufigen Meinung nicht als Wasser-, sondern als Fettspeicher fungieren – geschrumpfte Höcker sind also ein Anzeichen für einen schlechten Ernährungszustand. Die Anpassung der Nieren, der Mechanismen zur Regulierung der Körpertemperatur und die Resorption von Wasserdampf aus der Atemluft mit Hilfe der Nasenschleimhäute wurde insbesondere von Knut Schmidt-Nielsen erforscht.

Baktrisches Kamel in einer trockenen Steppe. Kamele sind an solch extreme Lebensräume angepasst. (c) Kudaibergen Amirekul
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Vikunjas ermöglichen ihre ovalen Blutkörperchen eine bessere Sauerstoffaufnahme in großen Höhen. (c) geolas

Auch das Dromedar (Camelus dromedarius) bewohnt Trockengebiete und muss mit wenig Wasser auskommen. (c) Stefano Menchetti

Guanakos in einer südamerikanischen Steppenlandschaft. Auch hier ist Wasser Mangelware. (c) Nicolás Villaseca Merino
Immunsystem
Neuweltkamele, zu denen als Haustierformen auch das Lama und das Alpaka zählen, produzieren in Ergänzung zu den konventionellen IgG-Antikörpern zusätzlich eine wesentlich einfacher aufgebaute Sorte von speziellen Antikörpern, sogenannte Schwere-Ketten-Antikörper (hcIgG). Diese bestehen anstelle von vier aus nur zwei Ketten und sind im Vergleich zu herkömmlichen Antikörpern somit wesentlich kleiner und kompakter und weisen zudem eine größere pH- und Temperaturstabilität auf. Die besonderen Eigenschaften ihrer Antikörper rücken Kamele als Spenderorganismen für Schwere-Ketten-Antikörper in den Fokus der medizinischen Forschung. Ziel ist es hierbei, Antikörper für den therapeutischen Einsatz zu entwickeln. Ein Beispiel für eine erfolgreiche medizinische Anwendung sind kamelide Antikörperfragmente zur Bekämpfung von Trypanosoma brucei rhodesiense, Erreger der – ohne Behandlung – tödlich verlaufenden Afrikanischen Schlafkrankheit. Schwere-Ketten-Antikörper konnten in der Natur – außer bei Kameliden – bisher ausschließlich innerhalb der Klasse der Knorpelfische (Chondrichthyes), genauer bei einigen Haien und möglicherweise bei den Kurznasenchimären, gefunden werden.
Verbreitung und Lebensraum
Die Altweltkamele stammen ursprünglich vermutlich aus Asien – das Dromedar aus dem Arabischen Raum und das Trampeltier aus Zentralasien –, sie sind aber als Nutztiere weit verbreitet worden und finden sich heute beispielsweise auch in Nordafrika und in Australien wieder. Ihr Lebensraum sind trockene Steppen, Halbwüsten und Wüsten.
Die Neuweltkamele kommen zumeist in höhergelegenen Bergregionen im westlichen und südlichen Südamerika vor, wo sie trockenes, offenes Gelände bewohnen und die Vikunjas bis auf 5700 m Höhe aufsteigen.

Vikunjas (Lama vicugna) an der Laguna Colorada;
Die Laguna Colorada ist ein flacher, am tiefsten Punkt 1,5 m tiefer, 60 km² großer See im südlichen Teil des Altiplanos in Bolivien auf einer Höhe von 4278 m über dem Meer. Der See hat seinen Namen aufgrund seiner auffälligen roten Färbung, die von der vorherrschenden Algenart und vom hohen Mineralstoffgehalt seines Wassers hervorgerufen wird. Der See ist für seine großen Bestände von Flamingos bekannt.
Lebensweise
Kamele sind tagaktiv und leben in freier Wildbahn zumeist in Haremsgruppen, die aus einem Hengst, mehreren Stuten und dem gemeinsamen Nachwuchs (Fohlen) bestehen. Heranwachsende Männchen, die aus ihrer Geburtsgruppe vertrieben wurden, bilden oft Junggesellengruppen. Um die Führerschaft in einer Haremsgruppe kann es zu erbitterten Kämpfen zwischen zwei Männchen kommen.
Kamele sind Pflanzenfresser, die sich hauptsächlich von Gräsern ernähren. Insbesondere Altweltkamele sind dafür bekannt, auch dornige oder salzhaltige Pflanzen zu sich nehmen zu können.
Fortpflanzung
Nach einer Tragzeit von 360 bis 440 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Fohlen zur Welt. Dieses ist Nestflüchter und kann innerhalb kürzester Zeit selbständig gehen. Nach rund einem Jahr wird es entwöhnt, nach zwei bis drei Jahren geschlechtsreif. Altweltkamele können 40 bis 50 Jahre alt werden, für Neuweltkamele ist ein Alter von bis zu 28 Jahren belegt.

Guanakos leben wie alle Kamele meist in Gruppen (c) Clara (Clari)

Auch Dromedare sind Herdentiere (c) Dan Harville
Systematik und Entwicklungsgeschichte
Die Kamele werden zusammen mit den Wiederkäuern (Ruminantia) und den Schweineartigen (Suina) zur Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) zusammengefasst. (Nach kladistischen Gesichtspunkten müssen auch die Wale zu dieser Gruppe gerechnet werden.) Die Kamele wurden früher als nahe Verwandte der Wiederkäuer betrachtet, molekulargenetische Untersuchungen stellen sie eher an die Basis der Cetartiodactyla (des gemeinsamen Taxons aus Paarhufern und Walen).
Stammesgeschichtlich sind die ersten Schwielensohler im Eozän (etwa vor 40 bis 50 Millionen Jahren) in Nordamerika aufgetreten und waren zunächst auf diesen Kontinent beschränkt. Häufig werden die Merycoidodontidae mit den Schwielensohlern in Verbindung gebracht. Diese eher schweinartigen Tiere sind mit ihrer Typusform Merycoidodon in großer Anzahl aus den White River Badlands im Mittleren Westen der USA belegt. Die Gruppe bestand hauptsächlich im Eozän und im Oligozän. Räumlich und zeitlich einher gehen die Protoceratidae, welche durch ein oder zwei Hornpaare auf den Schädeln männlicher Tiere charakterisiert sind. Die ersten Vertreter der Kamele selbst sind ebenfalls im Eozän Nordamerikas nachweisbar. Einen der stammesgeschichtlich ältesten Angehörigen bildet Poebrodon, das anhand eines Oberkiefers aus dem Uinta-Becken im US-Bundesstaat Utah erstbeschrieben wurde. Die Form datiert in das Mittlere Eozän. Etwas jünger ist Poebrotherium, wiederum nachgewiesen in den White River Badlands. Das kleine Tier ähnelte äußerlich eher heutigen Gazellen, was neben der Körperform auch durch die schmalen Hufe hervorgerufen wurden, an denen offensichtlich noch nicht das typische Fußpolster der heutigen Kamele bestand. Allerdings war entsprechend den rezenten (heute lebenden) Arten die Schnauze bereits recht deutlich ausgezogen. Letzteres Merkmal wurde durch Floridatragulus aus dem Miozän des südöstlichen Nordamerikas noch extrem verstärkt. Dessen Schnauze wirkte durch ihre langgestreckt-schmale Form fast „krokodil“-artig. Abweichend von den heutigen Kamelen lebte Floridatragulus in feucht-warmen Landschaften. Aus dem Obermiozän Nordamerikas ist dagegen die Gattung Aepycamelus bekannt. Dabei kam ein Vertreter der Kamele im mittleren Pliozän vor rund 3,5 Millionen Jahren auch im zu dieser Zeit bewaldeten hohen Norden Amerikas vor, wie Funde von der Ellesmere-Insel zeigen. Über die zeitweise trockene Beringstraße beziehungsweise den Isthmus von Panama sind sie nach Asien beziehungsweise Südamerika eingewandert. In Nordamerika sind sie erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit ausgestorben, die Gattung Camelops überlebte bis vor etwa 10.000 Jahren. Ob dieses Aussterben auf klimatische Veränderungen oder die Bejagung durch die eingewanderten Menschen (Overkill-Hypothese) zurückzuführen ist, ist umstritten.

Skelett von Merycoidodon aus den Badlands
Paläontologisches Museum der Universität Zürich

Lebend-Rekonstruktion von Camelops hesternus;Die Gattung Camelops lebte vom späten Pliozän bis ins späteste Pleistozän in der Westhälfte Nordamerikas. Man kennt bis zu sechs verschiedene Arten. Die letzte lebende Camelops-Art war das Westkamel (C. hesternus), das erst vor ca. 10.000 Jahren ausstarb.© Author: Sergiodlarosa

Innere Systematik
Heute werden zwei Tribus mit zusammen drei Gattungen und vier bis sechs Arten unterschieden.
Tribus Camelini
-
Gattung Altweltkamele (Camelus)
☞ Dromedar (C. dromedarius)
☞ Trampeltier (C. bactrianus)
Tribus Lamini Syn.: Aucheniini
-
Gattung Lama (Neuweltkamele)☞ Guanako (L. guanicoe)
☞ Vikunja (L. vicugna)
☞ Lama (L. glama)
☞ Alpaka (L. pacos)
Alle rezenten Kamele gehören zur Unterfamilie Camelinae. In der Tribus der Neuweltkamele ist die Einteilung in zwei Gattungen mit vier Arten (die wildlebenden Guanakos und Vikunjas sowie die daraus domestizierten Lamas und Alpakas) umstritten, da es auch durch Kreuzungen fließende Übergänge gibt. Diese vier Arten werden manchmal zu einer einzigen Gattung (Lama) zusammengefasst. Im Jahre 2001 wurde durch DNA-Untersuchungen bestätigt, dass das Alpaka vom Vikunja abstammt, so dass der früher genutzte wissenschaftliche Name Lama pacos durch Vicugna pacos ersetzt wurde. Teilweise gilt die nördliche Unterart des Vikunja auch als eigenständige Art und wird dann unter Vicunja mensalis geführt (alternativ Lama mensalis).
Das Vikunja wurde 1782 durch den chilenischen Naturforscher Juan Ignacio Molina in einem Essay über die Naturgeschichte Chiles erstmals beschrieben und bekam dabei den wissenschaftlichen Namen Lama vicugna. Die Gattung Vicugna wurde 1842 durch den französischen Naturforscher René Primevère Lesson eingeführt. Für eine eigene Gattung spricht die Besonderheit des Gebisses, das von dem der anderen Lamas abweicht. Allerdings sind Guanakos und Vikunjas untereinander fruchtbar, was wiederum für eine sehr dichte Verwandtschaft spricht. Daher ist die Einführung der eigenen Gattung Vicugna wie auch die Einordnung der Alpakas in diese Gattung umstritten. Die Trennung von Vikunja und Guanako (Lama guanicoe) erfolgte wahrscheinlich vor 2 bis 3 Millionen Jahren.
Wir sind der Ansicht, dass es nur eine Gattung für alle Neuweltkamele geben sollten, nämlich Lama.
Auch bei den Altweltkamelen gibt es Meinungsunterschiede: Das Trampeltier wird manchmal in zwei Arten, die domestizierte (Camelus bactrianus) und die freilebende Form (Camelus ferus) aufgeteilt. Da bei den Neuweltkamelen, die domestizierten Formen Lama und Alpaka auch eigene wissenschaftliche Namen erhalten haben, finden wir dass dies auch für das Trampeltier gelten sollte. Manchmal wird auch das Dromedar mit dem Trampeltier als konspezifisch betrachtet. Die Gattung Camelus ist die einzige rezente Gattung aus der Tribus Camelini, fossile Gattungen stellen unter anderem Camelops und Aepycamelus dar, wobei letztere auch manchmal einer eigenen Unterfamilie Aepycamelinae zugeordnet wird.
Kamel-Hybriden
Hybridbildungen kommen sowohl bei Altwelt- als auch bei Neuweltkamelen vor.
Dromedare und Trampeltiere sind untereinander kreuzbar, die Hybride sind fortpflanzungsfähig und werden Tülüs oder Bukhts genannt. Sie haben entweder einen einzelnen, lang gezogenen oder einen größeren und einen kleineren Höcker.
Auch die Neuweltkamelarten sind untereinander kreuzbar und bringen fruchtbare Nachkommen zur Welt.
Durch Insemination sind auch Hybride zwischen Lamas und Altweltkamelen gezüchtet worden. Die so entstandene Hybride wurde von den verantwortlichen Wissenschaftlern „Cama“ genannt.

Männliches Trampeltier paart sich mit einem weiblichen Dromedar

Ein F1-Hybrid (Tülü), das den typischen länglichen Höcker aufweist
Kamele und Menschen
Das Wort Kamel stammt über lateinische und griechische Vermittlung aus semitischen Sprachen. Mit dschamal (DMG ǧamal) ist im Arabischen speziell das Lastkamel gemeint, während das Reitkamel dhalūl (DMG ḏalūl) genannt wird.

Ǧamal geht auf Neuassyrisch gammalu zurück und ist in der frühesten Form in Keilschrift als Akkadisch ANŠEGAM.MAL auf einer Tontafel überliefert, die in die Zeit von ʿAmmī-itaqumma (um 1795–1750 v. Chr.) von Alalach datiert wird. ANŠE ist das Determinativ für „Esel“, bezeichnet als die Kategorie „Lasttier“.
Wortformen mit anlautendem k- in frühen Stufen ostkaukasischer Sprachen und andere linguistische Befunde lassen es möglich erscheinen, dass das Wort von dort stammt. Mit der Domestizierung der zweihöckrigen Baktrischen Kamele ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. im heutigen Turkmenistan und ihrer Verbreitung in der Eurasischen Steppe wäre das Wort bereits damals aus einer kaukasischen Sprache in das vor-indoeuropäsche Substrat Osteuropas und in die semitischen Sprachen des Nahen Ostens entlehnt worden.
In germanischen Sprachen hieß das Tier nach dem Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm gotisch ulbandus, althochdeutsch olpentâ, mittelhochdeutsch olbente, verwandt mit „Elefant“. Der neue Name wurde durch die Kreuzzüge aus der Levante mitgebracht: „Der olbenten, daz walhe heizent camelum“ (… „welche Kamele heißen“, 12. Jahrhundert).[18] Über mittelhochdeutsch kembel, kemmel, kémel, kamel mit Betonungswechsel auf die zweite Silbe nach dem lateinischen Vorbild camēlus im 16. Jahrhundert.
Mit der Entdeckung der amerikanischen Kamele wurden zusätzliche Bezeichnungen nötig. Seither werden „Altweltkamele“ und „Neuweltkamele“ unterschieden.
Perser auf Kamel. Griechischer Behälter
Athen, um 440 v. Chr.
Domestikation
Sowohl Altwelt- als auch Neuweltkamele waren bereits im letzten vorchristlichen Jahrtausend domestiziert. Sie wurden vorrangig als Last- und Zugtiere, daneben aber auch als Woll-, Milch- und Fleischlieferanten verwendet und werden vielfach bis heute zu diesen Zwecken gehalten. Durch die Domestikation wurde Handel in manchen Teilen der Welt, beispielsweise der arabischen Halbinsel, erst möglich.
Die militärische Nutzung von Kamelen ist zumindest seit dem 9. Jahrhundert v. Chr. belegt. Seitdem werden die Tiere bis heute für diesen Zweck eingesetzt (siehe Kamelreiter). Durch britische und US-amerikanische Streitkräfte wurden Kamele auch in der Neuzeit, beispielsweise im Zuge des U.S. Camel Corps, des Camel Coros der Gordon Relief Expedition und der Imperial Camel Corps Brigade, eingesetzt.
Lama und Alpaka sind Zuchtformen, die aus dem Guanako und möglicherweise dem Vikunja entstanden. Das Dromedar existiert nur mehr als domestizierte Art – die Wildform ist vermutlich seit 2000 Jahren erloschen. Vom freilebenden Trampeltier gibt es nur noch Restbestände in China und der Mongolei. Mit der Zucht befasst sich das Camel Reproduction Centre Dubai.

Lagernde Dromedare, Gemälde von Walter Heubach, um 1900

Salzkarawane mit Dromedaren, Karumsee in Äthiopien

Kamele Art für Art
Im folgenden Abschnitt stellen wir die verschiedenen Vertreter aus der Familie der Kamele in Arten-Portraits genauer vor.
Dromedar
Camelus dromedarius
Das Dromedar, auch als Einhöckriges oder Arabisches Kamel bezeichnet, ist eine Säugetierart aus der Gattung der Altweltkamele. Es ist als Last- und Reittier in weiten Teilen Asiens und Afrikas verbreitet, in seiner Wildform jedoch ausgestorben. Nachkommen von freigelassenen oder entlaufenen Tieren leben heute noch in großer Zahl verwildert in den Zentralregionen Australiens.

Dromedarstute mit Jungtier (Fohlen)

Dromedare (c) Leoš Smutný a Antonín Horáček
Merkmale:
Dromedare sind an ihrem einzelnen Höcker sofort vom Trampeltier, dem zweihöckrigen Kamel, unterscheidbar. Sie erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 2,3 bis 3,4 Metern, eine Schulterhöhe von 1,8 bis 2,3 Metern und ein Gewicht von 300 bis 700 Kilogramm. Der Schwanz ist mit rund 50 Zentimetern relativ kurz. Das Fell ist meist sandfarben, es kommen jedoch auch andere Farbschläge von weiß bis extrem dunkelbraun vor. Scheitel, Nacken, Hals und Rumpf sind mit längerem Haar bedeckt. Diese Tiere haben einen langen Hals, auf dem ein langgezogener Kopf sitzt. Die Oberlippe ist gespalten und die verschließbaren Nasenlöcher sind schlitzförmig. Die Lider tragen sehr lange Wimpern. Diverse Hornschwielen befinden sich auf dem Brustbein, an Ellenbogen, Handwurzel, Ferse und Knie. Die Füße haben, wie bei allen Kamelen, zwei Zehen, die anstatt mit Hufen mit schwieligen Polstern versehen sind. Der Magen setzt sich wie bei allen Kamelen aus mehreren Kammern zusammen, was das Verdauen der Pflanzennahrung erleichtert.
Das Herz wiegt etwa 5 kg. Die Pulsfrequenz beträgt 50 Schläge pro Minute. Dromedare haben (wie alle Kamele) als einzige Säugetiere ovale rote Blutkörperchen. Der pH-Wert des Blutes variiert von 7,1 bis 7,6 (zum Vergleich: der pH-Wert von menschlichem Blut liegt normalerweise zwischen 7,36 und 7,44). Der individuelle Zustand der Hydratation, das Geschlecht und die Zeit des Jahres können die Blutwerte beeinflussen. Die Lungen haben keine Lappen. Ein dehydriertes Kamel hat eine niedrigere Atemfrequenz. Jede Niere hat eine Kapazität von 858 cm3 und kann Urin mit hohen Chloridkonzentrationen produzieren. Wie das Pferd hat das Dromedar keine Gallenblase. Die grauviolette, halbmondförmige Milz wiegt weniger als 500 g.

Skelett eines Dromedars

Dromedarfuß

Liegendes Dromedar; An den unterseiten der Füße sind die Hornschwielen zu sehen
Anpassung an trockene Lebensräume:
Ihre Anpassung an trockenes Klima ermöglicht es Dromedaren, in wüstenhaften Gebieten zu leben. Sie haben die Fähigkeit, lange ohne Wasser auszukommen, da sie viel Wasser im Körper speichern können. Der Rückenhöcker enthält Fettvorräte, die das Tier bei Futtermangel verbrennen kann, um Energie zu gewinnen. Zwar legt das Dromedar in seinem Höcker keinen Wasservorrat an, jedoch bedarfsweise in seinem Magen. Die Nieren resorbieren einen Großteil der Flüssigkeit, indem sie den Urin stark konzentrieren. Auch dem Kot wird vor der Ausscheidung die meiste Flüssigkeit entzogen; er kann sofort nach dem Ausscheiden verbrannt werden.
Die Körpertemperatur von Dromedaren sinkt während der Nacht sehr stark ab, so dass tagsüber der Körper sich nur langsam aufwärmt und das Tier lange Zeit nicht zu schwitzen braucht. Während einer Trockenperiode kann ein Dromedar bis zu 25 % seines Körpergewichts verlieren, ohne zu verdursten. In zehn Minuten kann es durch Wasseraufnahme sein durch Schwitzen verlorenes Körpergewicht wieder erreichen.
Die Anpassung der Nieren, die Mechanismen zur Regulierung der Körpertemperatur und die Resorption von Wasserdampf aus der Atemluft mit Hilfe der Nasenschleimhäute wurden insbesondere von Knut Schmidt-Nielsen erforscht.

Dromedare in der Wüste (Wadi Rum)
© Vyacheslav Argenberg / http://www.vascoplanet.com/
Verbreitung:
Das Dromedar ist in ganz Nordafrika, am Horn von Afrika und in Asien von Vorderasien mit Anatolien bis in den Nordwesten Indiens als Haustier verbreitet. Die südliche Verbreitungsgrenze bildet in der Sahelzone von Senegal bis Sudan etwa der 13.–15. Grad nördlicher Breite, in Ostafrika (Somalia und Kenia) der 2. Grad südlicher Breite; die nördliche Grenze liegt in Turkestan, wo es teilweise neben dem zweihöckrigen Trampeltier vorkommt.
Dromedare wurden auch auf dem Balkan, in Namibia und auf den Kanarischen Inseln eingeführt.
Nachdem die Dromedare in Australien Mitte des 19. Jahrhunderts aus Indien eingeführt worden waren, um sie für die Erschließung des Binnenlands zu nutzen, wurden sie von etwa 1840 bis 1907 als Nutztiere verwendet. Die Nachkommen von freigelassenen oder entlaufenen Tieren leben bis heute dort verwildert in den Zentralregionen. Diese Population ist die einzige freilebende Dromedarpopulation der Welt; in dem 2010 verabschiedeten „Nationalen Aktionsplan zu wildlebenden Kamelen“ gingen die Autoren von mehr als einer Million Tiere aus. Einer Schätzung von 2013 zufolge ist die Zahl der Dromedare jedoch lange nicht so groß, wie bisher angenommen. Sie belief sich nach Umsetzung eines „Programms zur Kamelkontrolle“, in dessen Verlauf innerhalb von vier Jahren 160.000 Dromedare abgeschossen wurden, und nach einer Dürre, während der sich deren Zahl um weitere 100.000 Tiere reduzierte, auf lediglich etwa 300.000 Tiere. Auch im Südwesten der USA gab es aus denselben Gründen wie in Australien eine wildlebende Population, die jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts ausgerottet wurde.

Verbreitung des Dromedars

Wilde Dromedare in Australien
Sozialverhalten
Dromedare sind tagaktiv. Freilebende Tiere leben meist in Haremsgruppen, die sich aus einem Männchen (Hengst), mehreren Weibchen (Stuten) und dem dazugehörenden Nachwuchs (Fohlen) zusammensetzen. Heranwachsende Männchen schließen sich oft zu Junggesellengruppen zusammen, diese sind aber nicht sehr langlebig. Manchmal kommt es zwischen Männchen zu Kämpfen um die Führungsrolle in einer Gruppe, die durch Bisse und Fußtritte ausgetragen werden.
Nahrung:
Diese Tiere sind wie alle Kamele Pflanzenfresser, die alle Arten von Pflanzen zu sich nehmen können – sogar dornige und salzige. Die Nahrung wird wenig zerkaut verschluckt und gelangt zunächst in den Vormagen, um nach dem Wiederkäuen endgültig verdaut zu werden. Dieser Vorgang ähnelt dem der Wiederkäuer (Ruminantia), zu denen die Kamele zoologisch allerdings nicht gerechnet werden. Das Verdauungssystem der Kamele dürfte sich unabhängig von dem der Wiederkäuer entwickelt haben, was sich unter anderem darin zeigt, dass die Vormägen mit Drüsen versehen sind. In absoluten Notsituationen fressen die Tiere jedoch auch Knochen, Häute oder Fleisch und unverdauliche Stoffe.
Fortpflanzung:
Die Paarung erfolgt oft im Winter, hängt aber mit der Regenzeit zusammen. Die Tragezeit beträgt rund 360 bis 440 Tage, üblicherweise kommt ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillinge sind selten. Neugeborene sind Nestflüchter und können nach einem Tag bereits selbstständig laufen. Rund ein bis zwei Jahre kümmert sich die Mutter um den Nachwuchs, das Absetzen erfolgt nach einem bis eineinhalb Jahren. Zwei Jahre nach der Geburt kann das Weibchen erneut werfen.
Die Geschlechtsreife tritt bei Weibchen mit drei Jahren, bei Männchen mit vier bis sechs Jahren ein. Die Lebenserwartung wird auf 40 bis 50 Jahre geschätzt
Krankheiten:
☞ Parasiten und Krankheitserreger mit zoonotischer Bedeutung (Link zu Wikipedia)

Dromedarherde im Negev

Dromedar mit Jungtier

Dromedar bei der Nahrungsaufnahme
(c) Petri Kuhno
Wilde Dromedare:
Die wilde Stammform des domestizierten Dromedars ist schon im Altertum ausgestorben. Frühere Vermutungen, das Dromedar wäre erst als domestizierte Form aus Vorfahren entstanden, die dem östlicher verbreiteten zweihöckrigen Kamel oder Trampeltier ähnelten, sind heute anhand von morphologischen und genetischen Daten widerlegt. Die beiden Stammlinien der Altweltkamele haben sich vermutlich vor fünf bis acht Millionen Jahren, und damit fast gleichzeitig mit deren Einwanderung in die Alte Welt, genetisch voneinander getrennt, obwohl beide Arten heute noch miteinander kreuzbar sind. Die wilde Stammform des Dromedars, teilweise als Art Camelus thomasi Pomel (1893) bezeichnet, war ursprünglich in Südwestasien und Nordafrika verbreitet, ist aber in Afrika im Pleistozän ausgestorben. Im 2. Jahrtausend v. Chr. bewohnte die Art wohl nur noch ein kleines Areal in den südöstlichen Küstenregionen der Arabischen Halbinsel. Hier wurden die Tiere zunächst stark bejagt, wie sich an Knochenfunden in archäologischen Ausgrabungsstätten ablesen lässt.
Domestizierte Dromedare:
Das Dromedar wurde vermutlich Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. auf der Arabischen Halbinsel domestiziert. Die älteste mesopotamische Königsinschrift, in der das Kamel erwähnt wird, stammt von etwa 1060 v. Chr. Ab dem späten 2. Jahrtausend ändert sich die archäologische Fundsituation: Mehr Knochenmaterial in Siedlungen, weniger in abseits gelegenen Jagdstationen, die Tiere wurden zudem etwas kleiner und wurden künstlerisch in Haustierfunktion abgebildet, zusammengenommen wird dies als Nachweis der Domestizierung in diesem Raum zu dieser Zeit angesehen. Den genetischen Daten zufolge wurden aber noch lange Zeit Wildfänge in den frühen Zuchtstamm eingekreuzt. Zurück nach Nordafrika eingeführt wurde die – nun domestizierte – Art in relevanten Mengen erst im 1. Jahrtausend n. Chr. Dromedare könnten ursprünglich hauptsächlich als Milchlieferanten domestiziert worden sein. In Somalia überwiegt diese Nutzung bis heute. Die Nutzung als Fleisch- und Lederquelle sowie eine Verwendung der Wolle entwickelten sich etwas später. Sogar ihr Mist dient, getrocknet, in der rohstoffarmen Umgebung als Brennmaterial. Bis etwa 1500 v. Chr. wurde im Verbreitungsgebiet der Dromedare fast ausschließlich der Esel als Transporttier genutzt. Die Nutzung als Lasttier setzte zunächst die Entwicklung eines geeigneten Sattels voraus. Dieser musste die Last auch bei den wiegenden Bewegungen des Tieres im Passgang halten und gleichmäßig auf dem Rücken verteilen. Zwischen 1300 und 100 v. Chr. entwickelten nomadisch lebende arabische Ethnien einen für das Dromedar angepassten Tragesattel, der es erlaubt, durchschnittlich etwa 250 Kilogramm auf dem Tier zu transportieren. Diese Sattelform ist seit mehr als 2000 Jahren nahezu unverändert in Gebrauch.
Das Dromedar ist der wichtigste Begleiter der nomadisierenden Beduinen in der Sahara und in den arabischen Wüstengebieten. Es ist sowohl Last- als auch Reittier und dient den Beduinen als Lieferant von Wolle, Milch und Fleisch. Durch seine Genügsamkeit ermöglichte es die Einrichtung von Handelswegen durch unwegsame Wüstengegenden (z. B. der Weihrauchstraße von Südarabien an das Mittelmeer) und trug somit wesentlich zum wirtschaftlichen Wohlstand jener Zeit bei.
Arabische Kamele können gut schwimmen. Belegt ist, wie Menschen im Oman arabische Kamele zur Steigerung der Fitness vor Kamelrennen im Meer schwimmen ließen.



Bilder oben: Dromedar (Fotos: Tero Linjama)
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Dromedare im Abendrot (c) Royle Safaris
Trampeltier
Camelus ferus
Das Trampeltier, auch als Zweihöckriges Kamel bezeichnet, ist eine Säugetierart aus der Familie der Kamele (Camelidae). Als domestiziertes Last- und Nutztier ist es besonders in Asien weit verbreitet, die freilebenden Bestände hingegen sind hochgradig gefährdet. Viele Autoren unterscheiden zwischen dem wilden Trampeltier (Camelus ferus) und dem domestizierten Baktrischen Kamel (Camelus bactrianus). Dieser Sichtweise folgen wir auf unserer Seite auch, daher kommen in diesem Artenportrait sowohl die Bezeichnungen Camelus ferus sowie Camelus bactrianus vor.
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Trampeltier (Camelus ferus)
(c) Jerrold Bennett
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Baktrisches Kamel (Camelus bactrianus)
(c) Kudaibergen Amirekul
Merkmale:
Trampeltiere sind anhand ihrer zwei Höcker vom Dromedar, dem einhöckrigen Kamel, zu unterscheiden. Sie erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 3 Metern, eine Schulterhöhe von 180 bis 230 Zentimetern und ein Gewicht von durchschnittlich 450 bis 500 Kilogramm. Der Schwanz ist mit 35 bis 55 Zentimetern relativ kurz. Ihre Fellfärbung variiert von sandgrau bis dunkelbraun, am längsten sind die Haare am Nacken und an der Kehle. Während des Winters haben sie ein ausgesprochen dickes, langes Fell, das bei Ansteigen der Temperaturen so schnell abgestoßen wird, dass die Tiere oft einen „zerlumpten“ Eindruck machen. Die freilebenden Tiere unterscheiden sich von den domestizierten unter anderem darin, dass ihr Fell heller (meist sandfarben) und dünner ist und ihr Körperbau schlanker und die Höcker spitzer sind
Trampeltiere haben einen langen Hals, auf dem ein langgezogener Kopf sitzt. Die Oberlippe ist gespalten. Als Schutz vor der Witterung sind die Augen mit großen Lidern sowie mit langen Wimpern versehen und die Nüstern können verschlossen werden. Die Füße haben – wie bei allen Kamelen – zwei Zehen, die statt mit Hufen mit schwieligen Polstern versehen sind und mit einem kleinen Nagel mit gekrümmter Hornwand enden. Der Magen setzt sich – auch wie bei allen Kamelen – aus mehreren Kammern zusammen, was das Verdauen der Pflanzennahrung erleichtert.
Die Höcker dienen entgegen der landläufigen Meinung nicht als Wasser-, sondern als Fettspeicher. Darüber hinaus haben die Tiere einige Besonderheiten entwickelt, die ihnen das Überleben in unwirtlichen Regionen ermöglichen: Stark verlängerte Henlesche Schleifen in den Nieren sorgen für eine starke Konzentration des Urins, auch der Kot ist im Vergleich zu anderen Säugetieren verdickt. Eine Besonderheit sind die roten Blutkörperchen, die wie bei allen Kamelarten nicht rund, sondern oval sind. Diese Form bewirkt, dass Kamele in kürzester Zeit ohne die Gefahr einer Wasserintoxikation (»Überwässerung« des Körpers) sehr viel Wasser aufnehmen können. Ihre Körpertemperatur ist variabler als die der meisten anderen Säugetiere und kann um 6 bis 8 °C schwanken, was die Gefahr der Überhitzung und die Transpiration deutlich vermindert.

Skelett eines Trampeltiers
(c) Museum of Veterinary Anatomy FMVZ USP

Kopf eines Trampeltiers
(Cotswold Wildlife Park)
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Füße eines Baktrischen Kamels
Verbreitung und Lebensraum:
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Trampeltiere erstreckte sich ungefähr vom mittleren Kasachstan über die südliche Mongolei und das nordwestliche China bis zum großen Bogen des Gelben Flusses. Im dritten vorchristlichen Jahrtausend setzte die Domestikation der Tiere ein, als Last- und Nutztiere sind sie heute in weiten Teilen Asiens verbreitet – die Gesamtpopulation wird auf 2,5 Millionen Exemplare geschätzt. Man trifft sie von Kleinasien bis in die Mandschurei an. Nördlich ist das Trampeltier bis Omsk in Westsibirien verbreitet, das etwa auf 55 Grad nördlicher Breite liegt.

Verbreitungsgebiet des domestizierten Trampeltieres (Camelus bactrianus)

Restvorkommen wilder Trampeltiere (Camelus ferus)
Die freilebenden Bestände wurden durch Bejagung immer weiter zurückgedrängt. Im 19. Jahrhundert starben sie im Westen ihres Verbreitungsgebietes aus, seit den 1920er-Jahren gingen auch im Osten die Populationszahlen deutlich zurück. Im Jahr 2003 lebten laut Schätzung der IUCN nur rund 950 wildlebende Trampeltiere in drei getrennten Populationen: in der Taklamakan-Wüste und im Lop-Nor-Becken im chinesischen Xinjiang (zusammen rund 600 Tiere) sowie im mongolischen Teil der Wüste Gobi (rund 350 Tiere).
Trampeltiere sind an trockene Habitate angepasst. In den Wintermonaten halten sie sich bevorzugt entlang von Flüssen auf und wandern in den Sommermonaten in die Trockensteppen und Halbwüsten. Bemerkenswert sind dabei die Temperaturschwankungen in ihrem Lebensraum, die −30 °C bis +40 °C erreichen können.
Sozialverhalten und Aktivitätszeiten:
Trampeltiere sind tagaktiv und leben meistens in Haremsgruppen mit rund 15 Tieren. Diese setzen sich aus einem Männchen (Hengst), vielen Weibchen (Stuten) und dem dazugehörigen Nachwuchs (Fohlen) zusammen. Es gibt aber auch alleinlebende Exemplare. Die durchschnittliche Populationsdichte beträgt 5 Tiere pro 100 Quadratkilometer.
Nahrung;
Diese Tiere sind wie alle Kamele hauptsächlich Pflanzenfresser, die alle Arten von Pflanzen zu sich nehmen können – sogar dornige und salzige. Die Nahrung wird wenig zerkaut verschluckt und gelangt zunächst in den Vormagen, um nach dem Wiederkäuen endgültig verdaut zu werden. Dieser Vorgang ähnelt dem der Wiederkäuer (Ruminantia) – zu denen die Kamele zoologisch allerdings nicht gerechnet werden. Das Verdauungssystem der Kamele dürfte sich unabhängig davon entwickelt haben, was sich unter anderem darin zeigt, dass die Vormägen mit Drüsen versehen sind.
Trampeltiere können mehrere Tage ohne Wasser auskommen und im Bedarfsfall innerhalb von 10 Minuten 150 Liter Wasser aufnehmen. Die oben erwähnten Merkmale helfen ihnen dabei, äußerst sparsam mit dem Wasser hauszuhalten, darüber hinaus können sie auch brackiges oder salziges Wasser trinken.
Fortpflanzung:
Nach einer rund zwölf- bis vierzehnmonatigen Tragzeit bringt das Weibchen meist ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillinge sind selten. Die meisten Geburten fallen in die Monate März und April. Neugeborene Trampeltiere sind Nestflüchter und können innerhalb weniger Stunden laufen. Die Jungtiere werden rund eineinhalb Jahre gesäugt; die Geschlechtsreife tritt mit rund drei bis fünf Jahren ein. Die Lebenserwartung wird auf bis zu 40 Jahre geschätzt.
Domestikation
Trampeltiere wurden vermutlich im dritten vorchristlichen Jahrtausend (um 2500 vor Christus) erstmals in West-Turkestan und dem nördlichen Iran domestiziert, ursprünglich wohl als Lasttier. Berichte über ihre Ausdauer geben ein Gewicht von 170 bis 270 Kilogramm an, das pro Tag rund 47 Kilometer getragen werden kann. Aber auch die Produkte dieser Tiere werden verwendet, ihre Milch getrunken und ihr Fleisch gegessen, das Fett der Höcker wird zum Kochen benutzt und aus dem Fell werden Bekleidung oder Decken gefertigt.
Fast alle heute in Zoologischen Gärten gehaltenen Trampeltiere sind domestizierte Tiere.

Domestizierte Baktrische Kamele
(Camelus bactrianus) in der Mongolei

Domestizierte Baktrische Kamele
(Camelus bactrianus) Chuya Steppe, Südsibirien

Domestizierte Baktrische Kamele
(Camelus bactrianus) (c) Shelley Rutkin

Domestizierte Baktrische Kamele
(Camelus bactrianus) (c) Михаил Голомысов

Domestizierte Baktrische Kamele
(Camelus bactrianus) (c) Andreas Taeger

Domestizierte Baktrische Kamele
(Camelus bactrianus) Zoo Ljubljana, Slowenien
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Baktrisches Kamel (Camelus bactrianus)
(c) Pavel Shukov
Die Entdeckung der freilebenden Tiere:
Als erster westlicher Wissenschaftler traf der Russe Nikolai Prschewalski im Jahre 1876 am See Karakoshun im östlichen Teil des Tarimbeckens zwischen den Wüsten Taklamakan und Kuruktagh im chinesischen Autonomen Gebiet Xinjiang auf wilde Trampeltiere. Es gelang ihm, einige Tiere zu fangen und erstmals wissenschaftlich zu beschreiben. Sven Hedin fand 1901 in der gleichen Gegend am Kum-darja in der Nähe von Lop Nor ebenfalls freilebende Tiere. Im Jahr 1927 erforschte der russische Wissenschaftler A. D. Simukow die Verbreitung und Lebensweise dieser Tiere. Während Ende des 19. Jahrhunderts das Gebiet zwischen den Wüsten Taklamakan und Gobi noch durchgehend von Trampeltieren besiedelt war, kam es vor allem durch die Bejagung in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zur Zersplitterung des Siedlungsgebietes in die heutigen Bereiche.
Genetische Unterschiede:
Aufgrund von Unterschieden im Körperbau und ihrer besseren Verwertung salzigen Wassers stellen die wildlebenden Tiere nach Meinung mancher Forscher eine eigene Art oder Unterart dar. Es handelt sich um eine seit längerer Zeit separierte Population. Genetische Untersuchungen ergaben, dass sich die Gene der freilebenden Tiere um 2,8 % von den Genen der domestizierten Tiere unterscheiden (Zum Vergleich: Die Differenz zwischen den Genen der Menschen und der Schimpansen beträgt weniger als 2 %).

Wilde Trampeltiere auf einer usbekischen Briefmarke

Wilde Trampeltier-Herde
(Ömnögovi Province, Mongolei)

Trampeltier-Herde in der Wüste Gobi

Trampeltier an der südlichen Seidenstraße zwischen Yarkand und Khotan in Xinjiang, China

Trampeltier-Herde in der Wüste Gobi
(c) Royle Safaris
Guanako
Lama guanicoe
Das Guanako, auch Huanako genannt, ist eine wildlebende Art innerhalb der Familie der Kamele (Camelidae). Es lebt vor allem im westlichen und südlichen Südamerika und ist die Stammform des domestizierten Lamas.

Guanakos (Lama guanicoe)
Foto: Diego Carús
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Guanakohengste mit Revierstreitigkeiten im Nationalpark Torres del Paine, Chile (c) Greg Easton
Merkmale:
Guanakos erreichen eine Kopfrumpflänge von 120 bis 220 Zentimetern, eine Schulterhöhe von 120 Zentimetern und ein Gewicht von 100 bis 120 Kilogramm. Das Fell ist wollig und dicht; seine Farbe ist oberseits hellbraun und unterseits weiß, das Gesicht ist oft schwarz gefärbt. Das Fell besteht aus kurzen, gekräuselten und langen, gewellten Haaren,[1] die untere, verfilzte Schicht wirkt isolierend und schützt vor Kälte, die obere Schicht hält Schnee und Regen fern. Wie alle Kamele sind sie durch relativ langgestreckte, schlanke Beine, einen langen, dünnen Hals und einen kleinen Kopf charakterisiert. Die Füße haben zwei Zehen, die anstatt mit Hufen mit schwieligen Polstern versehen sind. Der Magen setzt sich wie bei allen Kamelen aus mehreren Kammern zusammen, was das Verdauen der Pflanzennahrung erleichtert.

Verbreitungsgebiet in Südamerika laut IUCN
Verbreitung und Lebensraum
Guanakos bewohnen die Anden in Peru, Ecuador, Bolivien, Chile und Argentinien sowie die Halbwüsten und Steppen Patagoniens. Ihr Habitat ist offenes Grasland, nur in harten Wintern gehen sie manchmal auch in Wälder. Man findet Guanakos in Höhen bis zu 4000 m.
Sozialverhalten:
Guanakos bilden Familienverbände von etwa fünfzehn Tieren, die aus einem männlichen Leittier, mehreren ausgewachsenen Weibchen und deren Jungen bestehen. Im Alter von zwölf bis fünfzehn Monaten werden die Jungtiere vom Männchen aus dem Verband vertrieben. Die Weibchen suchen dann Aufnahme in einer anderen Herde. Junge Männchen schließen sich dagegen zu Junggesellenverbänden zusammen, in denen sie drei bis vier Jahre leben. In diesen Gruppen kommt es zu ständigen Kämpfen um die Vorherrschaft, die als Vorbereitung auf die spätere Führung einer echten Herde angesehen werden können. Nach dem Verlassen eines solchen Junggesellenverbands versucht ein männliches Guanako, ein eigenes Territorium zu gründen, entweder indem es junge Weibchen um sich sammelt oder das Leittier einer bestehenden Herde vertreibt. Wird ein altes Männchen von seiner Herde vertrieben, lebt es meistens bis zu seinem Tod als Einzelgänger.
Nahrung:
Guanakos sind wie alle Kamele Pflanzenfresser und ernähren sich vorwiegend von Gräsern. Die Nahrung wird wenig zerkaut verschluckt und gelangt zunächst in den Vormagen, um nach dem Wiederkäuen endgültig verdaut zu werden. Dieser Vorgang ähnelt dem der Wiederkäuer (Ruminantia) – zu denen die Kamele zoologisch allerdings nicht gerechnet werden. Das Verdauungssystem der Kamele dürfte sich unabhängig von dieser Tiergruppe entwickelt haben, was sich unter anderem darin zeigt, dass die Vormägen mit Drüsen versehen sind.
Fortpflanzung:
Die Tragzeit der Weibchen dauert ein Jahr. Hiernach wird ein einziges Junges geboren, das sofort laufen kann und etwa 4 bis 6 Monate gesäugt wird. Die Lebensdauer eines Guanakos kann in menschlicher Obhut zwanzig bis dreißig Jahre betragen.
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Guanakos bei der Paarung (c) Cesar Ormazabal

Guanaoko-Fohlen im Zoologischen Garten Berlin

Säugendes Guanako (c) Nicolás Villaseca Merino
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Guanakostute mit Jungtier (c) Adrian Braidotti
Natürliche Feinde:
In freier Wildbahn ist ihr Hauptfeind der Puma. Junge und kranke Guanakos können auch von Andenschakalen getötet werden.
Domestikation:
Es wird allgemein angenommen, dass das Guanako bereits im dritten Jahrtausend vor Christus domestiziert wurde und dass das Lama von ihm abstammt. Neuere DNA-Untersuchungen haben ergeben, dass, anders als früher angenommen, das Alpaka wahrscheinlich nicht direkt vom Guanako abstammt, sondern vom Vikunja. Da aber alle Neuweltkamele untereinander kreuzbar sind und fertile Hybride gebären, sind diverse Einkreuzungen der beiden Wildformen sowohl bei Lama als auch bei Alpaka nicht auszuschließen.
Aufgrund der großen Überweidungsschäden, die Schaf- und Rinderherden in Patagonien angerichtet haben, werden auf einigen Estancias heute zur Fleischproduktion besser angepasste Guanakos gehalten.
Gefährdung:
Bei Ankunft der Spanier in Südamerika gab es schätzungsweise 50 Millionen wilde Guanakos. Seitdem wurden sie wegen ihres Fells gejagt, vor allem aber, um Weideland für die Schafherden zu gewinnen. Durch massenhaften Abschuss wurden die Bestandszahlen immer kleiner. Heute gibt es noch etwa 600.000 Guanakos, das ist nur noch etwas mehr als ein Prozent der ursprünglichen Zahl.

Guanako-Herde
(c) Andy Pollard - Falklands Nature

Guanako (Lama guanicoe)
(c) Sebastián Lescano

Guanako (Lama guanicoe)
(c) Nicolás Villaseca Merino

Guanako-Herde (c) Mariel Ruiz Blanco

Guanako-Herde (c) Jorge Herreros de Lartundo
Lama
Lama glama
Das Lama ist eine domestizierte Tierart aus der Familie der Kamele. Es ist in den südamerikanischen Anden verbreitet und eine vom Guanako abstammende Haustierform.
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Lamas (Cumbal, Nariño, Kolumbien)
(c) jorgebrito
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Lamas in der Provinz Azuay, Ecuador
(c) arutamecotours
Das Guanako ist die wildlebende Art dieser Gattung, während das Lama die domestizierte Form ist, deren Haltung und Züchtung bereits vor 4000 bis 5000 Jahren begann. Zuvor galt das Alpaka als eine weitere Art, jedoch ist das nicht mehr der Fall, da DNA-Untersuchungen ergaben, dass es nicht vom Lama, sondern vom Vikunja abstammt. Da die vier Arten der Neuweltkamele uneingeschränkt untereinander kreuzbar sind und sich die Linien immer wieder vermischt haben, lassen sich die exakten Abstammungsverhältnisse wohl nur schwer ergründen. Die beiden domestizierten Formen werden oft als eigene Arten gefasst, was aber bei modernem Artbegriff fraglich ist.
☞ Weiterführende Informationen:
Vikunja
Lama vicugna (Vicugna vicugna)
Das Vikunja oder Vicuña ist die wildlebende Stammform des Alpakas. Es ähnelt dem wildlebenden Guanako. Die beiden Arten bilden die Gruppe höckerloser Neuweltkamele in der Familie der Kamele.
Im Vergleich der beiden wildlebenden Kamele Südamerikas ist das Vikunja zierlicher gebaut als das Guanako. Mit einem Vorkommen bis in rund 5000 Meter über dem Meeresspiegel hat es die extremste Höhenverbreitung aller Huftiere des Kontinents. Die Faser der Vikunjas ist noch feiner als Kaschmirwolle.


Vikunjas (c) Lee E. Harding
Vikunjas (Chimborazo Province, Ecuador)
(c) pfaucher
Merkmale:
Das Vikunja hat einen schlanken Körper und einen langen Hals. Der Kopf ist klein und keilförmig; die Ohren sind schlank und spitz. Vikunjas erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 125 bis 190 Zentimeter, haben einen 15 bis 25 Zentimeter langen Schwanz, eine Schulterhöhe von 85 bis 90 Zentimeter und ein Gewicht von 38 bis 45 kg. Männchen und Weibchen sind gleich groß und wiegen ungefähr gleich viel. Äußerlich sind sie nicht zu unterscheiden. Die Art wird jedoch in zwei Unterarten unterteilt, von denen die südliche (L. v. vicugna) im Schnitt eine 15 % höhere Widerristhöhe hat als die nördliche. Sie kommt auch eher auf das Maximalgewicht von 45 kg, während das Gewicht der nördlichen Unterart (L. v. mensalis) eher bei 38 kg bleibt. Das Fell der Vikunjas ist weich und wollig. Beim südlichen Vikunja ist es auf dem Rücken, an den Körperseiten und an den Außenseiten der Beine blass zimtfarben, beim nördlichen Vikunja eher rötlichbraun. Der Bauch und die Innenseiten der Beine sind weiß, wobei bei sich beim südlichen Vikunja das weiße Bauchfell mehr nach oben auf die Flanken erstreckt als bei L. v. mensalis. Ein auffälliges Merkmal des nördlichen Vikunjas ist ein Latz 20 bis 30 Zentimeter langer, grober, weißer Haare auf der Brust und am Halsansatz. Dieser ist bei L. v. vicugna nur kurz und unauffällig.
Die Schneidezähne sind lang und stangenartig. Eine anatomische Besonderheit im Vergleich zu anderen Neuweltkamelen sind die unteren Schneidezähne, die wie bei Nagetieren ständig nachwachsen – etwas Vergleichbares gibt es unter anderen Paarhufern nicht.
Das Wollhaar des Vikunjafells ist feiner als das verwandter Arten. Es bildet eine dichte Wärmedämmschicht für die eisigen Nächte in großer Höhe. Die Fellfarbe ist am Rücken hellbraun, im Bauchbereich weißlich; die sehr feine und weiche Wolle hat ein geringes Gewicht. Die kleinste Kamelart der Welt benötigt außerdem ein großes Herz, um in einer Höhe von bis zu 5500 Metern leben zu können.

Jungtier in der chilenischen Atacama (nahe dem ALMA der Europäischen Südsternwarte)

Vikunjas (Provinz El Loa, Chile)
(c) David Robichaud
Verhalten:
Wie das Guanako lebt das Vikunja in territorialen Familienverbänden, die von je einem Hengst (Männchen, die weiblichen Tiere werden Stuten genannt) geführt werden. Daneben gibt es Junggesellentrupps (Männchen, die wegen ihres jungen Alters noch kein Territorium verteidigen können) und solitäre alte Männchen (die durch jüngere Männchen von ihren Verbänden vertrieben wurden).
Die einzige Nahrung, die Vikunjas zu sich nehmen, ist das harte, trockene Gras der Bergweiden. Sie sind daher darauf angewiesen, täglich zu trinken.
Verbreitung:
Das Vikunja ist in den Hochanden Ecuadors, Perus, Boliviens, Argentiniens und Chiles verbreitet. Es kommt dort in Höhen zwischen 3500 und 5500 Metern vor. Während der letzten Kaltzeit vor 10.000 bis 13.000 Jahren lebte das Vikunja im Tiefland von Bolivien, Paraguay, Patagonien und Feuerland. Am Ende der Eiszeit vor 9.000 bis 12.000 Jahren verlagerte es sein Verbreitungsgebiet in die heutigen hochgelegenen Lebensräume.
Während es zur Zeit der Inka etwa 1,5 Millionen Vikunjas in den Anden gab, ging ihre Zahl bis 1965 auf 6.000 zurück. Seitdem haben sich infolge von Schutzmaßnahmen die Bestände aber rasant erholt, so dass es heute wieder etwa 350.000 adulte Vikunjas gibt. Das Zuchtbuch im Rahmen der Europäischen Erhaltungszuchtprogramme (EEP) wird von Lena Bockreiß vom Tierpark Hellabrunn geführt. Die IUCN listet das Vikunja mittlerweile als „nicht gefährdet“.

Nutzung:
Beim traditionellen Scheren (Chacu oder Chaccu) werden in Peru alle zwei Jahre Vikunjaherden in einer Zeremonie über trichterförmige Gatter in Pferche getrieben und geschoren. Dabei wird eine Wolle mit einer durchschnittlichen Faserlänge von 2–4 cm gewonnen. Das Gewicht an geschorenen Wollhaaren beträgt pro Tier etwa 250 bis 450 g, nach Entfernung der unerwünschten Deckhaare vom Wollhaar.
Verbreitungsgebiet laut IUCN
Verwandtschaft und Taxonomie:
Das Vikunja wurde 1782 durch den chilenischen Naturforscher Juan Ignacio Molina in einem Essay über die Naturgeschichte Chiles erstmals beschrieben und bekam dabei den wissenschaftlichen Namen Lama vicugna. Die Gattung Vicugna wurde 1842 durch den französischen Naturforscher René Primevère Lesson eingeführt. Für eine eigene Gattung spricht die Besonderheit des Gebisses, das von dem der anderen Lamas abweicht. Allerdings sind Guanakos und Vikunjas untereinander fruchtbar, was wiederum für eine sehr dichte Verwandtschaft spricht. Daher ist die Einführung der eigenen Gattung Vicugna wie auch die Einordnung der Alpakas in diese Gattung umstritten. Die Trennung von Vikunja und Guanako (Lama guanicoe) erfolgte wahrscheinlich vor 2 bis 3 Millionen Jahren.
Wir folgen auf unserer Seite der Ansicht, dass alle Neuweltkamele der Gattung Lama zuzuordnen sind.
Es werden zwei Unterarten unterschieden:
-
Lama vicugna vicugna
-
Lama vicugna mensalis
Die Nominatform L. v. vicugna lebt im Süden des Verbreitungsgebiets, L. v. mensalis im Norden. Die Grenze zwischen den zwei Unterarten liegt etwa bei 18° südlicher Breite. L. v. mensalis ist etwas kleiner als die südliche Unterart und durch eine dunklere Färbung und langes Brusthaar gekennzeichnet. Die Mammalogen Peter Grubb und Colin Groves erhoben L. v. mensalis in ihrer 2011 veröffentlichten Revision der Huftiersystematik zu einer eigenständigen Art. Dies hat sich bis heute aber nicht durchgesetzt.
Die klassische Lehrmeinung war einst, dass das Vikunja nie domestiziert wurde und dass Lama und Alpaka vom Guanako abstammen. Heute gibt es allerdings DNS-Untersuchungsbefunde, die darauf hindeuten, dass das Alpaka vom Vikunja abstammt. Das Alpaka ist wahrscheinlich eng mit der nördlichen Unterart L. v. mensalis verwandt.
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Vikunja-Stute mit Fohlen (c) loan_1221

Vikunja-Herde (c) Jørgen Rasbech Bentzen

Vikunja-Herde (c) Giselle Mangini

Vikunja-Herde (c) Giselle Mangini

Vikunjas an Wasserstelle Foto: Hugo Hulsberg

Vikunjas (c) Humber Alberto
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Vikunja (c) dayana_andrade

Vikunja-Herde (c) Pablo Gutiérrez Maier
Alpaka
Lama pacos (Vicugna pacos)
Das Alpaka, auch Pako genannt, ist eine aus den südamerikanischen Anden stammende, domestizierte Kamelart, die vorwiegend wegen ihrer Wolle gezüchtet wird. Traditionell wurden Alpakas in Herden gehalten, die auf den Hochebenen der Anden im südlichen Peru, westlichen Bolivien, Ecuador und nördlichen Chile grasten. Inzwischen findet man Alpakas weltweit auf Farmen und Ranches, wo jährlich Tausende von Tieren geboren und aufgezogen werden. Alpakas sind besonders in Nordamerika, Europa und Australien beliebt.
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Alpaka-Herde (Riobamba, Ecuador)
(c) Philipp

Alpakas (Quispicanchi Provinz, Peru)
(c) Hubert Szczygieł
Es war lange ungeklärt, wer der Vorfahr des Alpakas ist. Die gängige Lehrmeinung sah das Guanako als gemeinsamen Ahnen des Lamas und des Alpakas. Hierfür wurde unter anderem die Hirngröße des Alpakas angeführt: Haustiere hätten ein kleineres und leichteres Gehirn als die Wildform, und Alpakagehirne seien kleiner als Guanakogehirne, aber größer und schwerer als Gehirne vom Vikunja. Schon früh gab es jedoch auch Theorien, wonach das Alpaka vom Vikunja abstamme. Im Jahre 2001 wurden diese durch neue DNA-Untersuchungen bestätigt.
☞ Weiterführende Informationen:


