
Das Lama (Lama glama)
Das Lama ist eine domestizierte Tierart aus der Familie der Kamele. Es ist in den südamerikanischen Anden verbreitet und eine vom Guanako abstammende Haustierform. Lamas sind soziale Tiere und leben in Herden. Ihre Wolle ist weich und enthält nur wenig Lanolin. Lamas können einfache Aufgaben nach wenigen Wiederholungen erlernen. Mit einem Packsattel können sie etwa 25 bis 30 % ihres Körpergewichts über eine Strecke von 8 bis 13 km tragen. Der Name Lama wurde von europäischen Siedlern von den indigenen Peruanern übernommen.
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Lama in der Provinz El Loa (Chile)
(c) xavierpiron
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Lamas (Cumbal, Nariño, Kolumbien)
(c) jorgebrito
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Lamas in der Provinz Azuay, Ecuador
(c) arutamecotours
Körperbau
Lamas erreichen eine Schulterhöhe von 110 bis 130 cm, manchmal sogar auch bis 140 cm, und ein Gewicht von 120 bis 180 kg. Im Gegensatz zu den Altweltkamelen (Dromedar und Trampeltier) haben Lamas keinen Höcker. Wie bei den meisten Haustieren ist auch beim Lama die Farbe sehr variabel. Es gibt einfarbig weiße, braune und schwarze Lamas sowie solche, die in diesen Farben gefleckt oder anders gemustert sind. Auch gepunktete Lamas kommen vor. Wie Altweltkamele haben Lamas an den Füßen Sohlenpolster (Tylopoden), und ihre Oberlippe ist gespalten und sehr beweglich.
Fortpflanzung & Lebenserwartung
Die Tiere erreichen die Geschlechtsreife mit zwei Jahren. Bei Lamastuten wird die Ovulation erst durch den Deckakt ausgelöst (provozierte oder auch induzierte Ovulation). Nach einer Tragezeit von elf bis zwölf Monaten wird ein Fohlen, genannt Cria, geboren. In extrem seltenen Fällen gibt es Zwillingsgeburten.
Ein neugeborenes Lama-Cria wiegt zwischen 7 und 14 kg.
Lamas werden in der Regel 15 bis 25 Jahre alt, manche Tiere erreichen sogar ein Alter von bis zu 30 Jahren. Die Lebenserwartung ist bei domestizierten Tieren aufgrund fehlender Fressfeinde oft höher als bei ihren wilden Verwandten.

Lama-Skelett
Foto: Museum of Veterinary Anatomy FMVZ USP

Lamastute mit Cria
(c) Eloísa GI
Crias
Cria ist die Bezeichnung für ein Lama-, Alpaka-, Vikunja- oder Guanako-Baby. Crias werden typischerweise geboren, wenn sich alle weiblichen Tiere der Herde versammeln, um Schutz vor den männlichen Lamas und potenziellen Raubtieren zu bieten. Lamas gebären im Stehen. Die Geburt verläuft in der Regel schnell und problemlos und ist in weniger als 30 Minuten vorbei. Die meisten Geburten finden zwischen 8 und 12 Uhr morgens, während der wärmeren Tagesstunden, statt. Dies erhöht möglicherweise das Überleben der Crias, da die Sterblichkeit durch Unterkühlung in den kalten Andennächten reduziert wird. Dieses Geburtsmuster gilt als Fortsetzung der in freier Wildbahn bei den wilden Verwandten (Guanakos) beobachteten Geburtsmuster. Ihre Crias stehen bereits innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt, laufen und versuchen zu saugen. Ein weibliches Lama produziert bei der Milchgabe nur etwa 60 Milliliter Milch, daher muss das Jungtier häufig saugen, um die benötigten Nährstoffe zu erhalten.
Zuchtmethoden
Bei der Haremszucht bleibt das Männchen den Großteil des Jahres mit den Weibchen zusammen.
Bei der Feldpaarung wird ein Weibchen mit einem Lama-Männchen auf eine Weide getrieben und dort für einige Zeit gelassen. Dies ist die arbeitssparendste Methode, aber am wenigsten geeignet, den Geburtstermin vorherzusagen. Eine Ultraschalluntersuchung kann durchgeführt werden, und zusammen mit den Daten der Paarung lässt sich der voraussichtliche Geburtstermin genauer bestimmen.
Die Handpaarung ist die effizienteste Methode, erfordert aber den größten Arbeitsaufwand. Ein männliches und ein weibliches Lama werden in denselben Stall gebracht, und die Paarung wird überwacht. Anschließend werden sie getrennt und jeden zweiten Tag erneut verpaart, bis eines der Tiere die Paarung verweigert. Normalerweise sind mit dieser Methode zwei Paarungen möglich, obwohl manche Zuchtmännchen sich routinemäßig weigern, ein Weibchen mehr als einmal zu decken. Die Trennung trägt vermutlich dazu bei, die Spermienkonzentration bei jeder Paarung hoch zu halten und den Zustand des Fortpflanzungstrakts des weiblichen Lamas zu verbessern. Wenn die Paarung innerhalb von zwei bis drei Wochen erfolglos bleibt, wird das Weibchen erneut verpaart.
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Lamas bei der Paarung
(c) Luis Michael
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Lamastute säugt ihr Cria
(c) Eloísa GI
Ernährung
Die Fütterungsmöglichkeiten für Lamas sind vielfältig; es gibt verschiedene kommerzielle und hofeigene Futtermittel. Zu den wichtigsten Faktoren zählen Verfügbarkeit, Nährstoffzusammensetzung und benötigte Energiedichte. Junge Lamas benötigen aufgrund ihres kleineren Verdauungstrakts eine höhere Nährstoffkonzentration als ausgewachsene Tiere.
In unseren Breitengraden sollten Lamas stets Zugang zu Heu haben. Auf der Weide ernähren sie sich zusätzlich von Gräsern und Kräutern. Dabei sind sie sehr genügsam. Sie fressen auch Blätter und Zweige junger Bäume sowie Flechten und Moose und benötigen zusätzlich Wasser und Mineralfutter (oft als Leckstein). Futter wie Brot, Obst, Gemüse oder Süßigkeiten ist für Lamas schädlich und kann sogar lebensgefährlich sein, da sie an nährstoffarme Kost angepasst sind.

Lamas (Nor Lípez, Bolivien)
(c) Claudio Maureira

Verbreitungsgebiet:
Rot: um 1520 (Lama)
Grün: um 2000 (Lama und Alpaka)
Geschichte & Domestizierung
Die wildlebende Ahnenform des Lamas ist das Guanako. Gestützt auf archäologische Befunde und DNA-Analysen wird von einer unabhängigen Domestizierung an mehreren Orten in den Anden ausgegangen. Früheste Hinweise liegen von archäologischen Stätten aus der peruanischen Puna in Meereshöhen von etwa 3200 Metern vor, die bis zu 5000 Jahre alt sind. Hinweise auf domestizierte Tiere sind etwa die Größe (Lamas sind größer als Guanakos), die Lage und Struktur der Siedlungsstätten und die Altersstruktur der Knochenfunde (höherer Anteil sehr junger Tiere). Da alle amerikanischen Kamelverwandten (Alpaka, Vikunja, Lama, Guanako) fruchtbar untereinander kreuzbar sind, sind im modernen Haustierbestand umfangreiche Hybridisierungen möglich und nach genetischen Analysen auch tatsächlich erfolgt. In jüngerer Zeit wurden Lama und Alpaka in großem Umfang miteinander gekreuzt, um Tiere zu erhalten, die größer und damit ertragreicher sind als Alpakas, aber die feinere und teurer bezahlte Alpakafaser liefern sollen.
Alle Zivilisationen des Andenraums nutzten das Lama. Es diente vor allem als Lasttier – auf dem amerikanischen Doppelkontinent wurde kein anderes Tier zu diesem Zweck domestiziert. Daneben ist auch die Wolle nutzbar, obwohl hier das Alpaka als wertvoller erachtet wurde. Die indigenen Völker der Anden aßen außerdem das Fleisch des Lamas, fertigten Leder aus seiner Haut, machten Kerzen aus seinem Fett und nutzten die Exkremente als Brennstoff. Für die Zivilisation der Inka war das Lama von überragender Bedeutung. Über zehn Millionen Lamas wurden zur Zeit der spanischen Eroberung Südamerikas von den Inka und ihren Vasallenvölkern gehalten, mit der spanischen Conquista verlor das Tier allmählich an Bedeutung zugunsten von Pferden und Schafen. Es wird angenommen, dass der Bestand in den hundert Jahren, die auf die Eroberung folgten, um etwa 90 Prozent zurückging.
Heutige Nutzung
Das Lama wird in unzugänglichen Regionen der Anden immer noch als Lasttier verwendet. Insgesamt werden in Südamerika heute etwa drei Millionen Lamas gehalten, vorwiegend wegen ihres Fleisches und ihrer Wolle. Doch auch außerhalb Südamerikas wird es inzwischen gezüchtet. Auch in Europa werden Lamas gezüchtet und die Wolle geschoren und verarbeitet.
Lama-Faser
Lamas besitzen ein feines Unterfell, das sich für Kunsthandwerk und Kleidung eignet. Das gröbere Deckhaar wird für Teppiche, Wandbehänge und Führseile verwendet. Die Fasern kommen in vielen Farben vor, von Weiß oder Grau über Rotbraun, Braun und Dunkelbraun bis hin zu Schwarz.

Handgesponnenes Lama-Garn aus Patagonien
Verhalten und Rangordnung
Lamas sind gewohnt in Herden zu leben, angeführt von einer Leitstute. Sie sind klassische Fluchttiere, jedoch nicht so stark ausgeprägt wie etwa bei Pferden. Die weiblichen Tiere sind ranghöher als männliche. Letzteren obliegt jedoch die Verteidigung der Herde. Rangkämpfe unter Hengsten werden mit wütenden Schreien und Bissen sowie Verfolgungsjagden ausgetragen, bis sich eines der Männchen dem anderen unterordnet. Dessen ungeachtet sind Lamas friedliche Herdentiere. Vertriebene Junghengste leben oft in einer Hengstherde zusammen.
Lamas, die auf Weiden leben, sind sehr reinlich. Sie suchen sich für Kot und Urin einen oder wenige Plätze aus, Wie Pferde nehmen auch Lamas gelegentlich ein Staubbad. Lamas können ausschlagen, wenn sie sich bedroht fühlen oder von einer sich von hinten nähernden Person erschreckt werden. Ihre kräftigen Hinterbeine können beim Ausschlagen eine beachtliche Kraft entwickeln, was ein wichtiger Bestandteil ihrer Fähigkeiten als effektive Herdenschutztiere ist.
Lamas werden mittlerweile als zertifizierte Therapiebegleittiere in Pflegeheimen und Krankenhäusern eingesetzt. Tiergestützte Therapie kann Schmerzen, Depressionen, Angstzustände und Erschöpfung lindern. Diese Therapieform erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

Eine Lamaherde grast in den bolivianischen Anden.
Kommunikation & Körpersprache
Obwohl sich die Sozialstruktur ständig ändert, leben Lamas als Herde und kümmern sich umeinander. Sobald ein Tier ein ungewöhnliches Geräusch wahrnimmt oder sich bedroht fühlt, stößt es einen Alarmruf aus – ein lautes, schrilles Geräusch mit rhythmischem Auf und Ab –, woraufhin alle anderen Tiere in Alarmbereitschaft versetzt werden. Oft summen sie einander zur Kommunikation zu.
Das Stöhnen oder „Mwa“ (/mwaʰ/) der Lamas ist häufig ein Zeichen von Angst oder Wut. Unzufriedene oder aufgeregte Lamas legen die Ohren an, während aufgestellte Ohren ein Zeichen von Freude oder Neugier sind.
Das „Orgeln“ ist der Paarungslaut eines Lamas oder Alpakas, der vom sexuell erregten Männchen ausgestoßen wird. Der Laut ähnelt einem Gurgeln, hat aber einen kräftigeren, summenden Unterton. Die Männchen beginnen mit dem Laut, sobald sie erregt sind, und setzen ihn während der gesamten Kopulation fort.
Über seine Körperhaltung signalisiert das Lama seine Stimmung. Wenn die Ohren aufgerichtet sind und der Schwanz nach unten hängt, ist es entspannt. Geht der Schwanz nach oben, ist dies ein Ausdruck erhöhter Aufmerksamkeit und Anspannung. Sind die Ohren nach hinten gelegt und der Schwanz unten, signalisiert das Lama, dass es sich dem ranghöheren Lama oder Menschen, der es führt, unterordnet. Wenn die Ohren angelegt sind und der Schwanz hoch steht, fühlt sich das Lama unwohl. Bei gurgelnden Geräuschen ist Vorsicht angesagt. Sind die Ohren länger angelegt und ein anderes Lama kommt zu nahe, kann es mit hoch aufgerichteter Nase einen Warnschuss spucken, was zwischen den Tieren durchaus regelmäßig vorkommt. Anlass sind Futterneid, Rangfolgekämpfe oder Paarungsverhalten (eine Stute signalisiert so, dass der Hengst sie nicht mehr begatten soll – er wird „abgespuckt“).
Spucken und aggressives Verhalten
Lamas spucken im Regelfall auf ihre Artgenossen und nicht auf den Menschen. Geschieht dies trotzdem, so weist dies oft auf eine Fehlprägung hin, oder aber das Lama wurde äußerst belästigt oder sogar gequält. In der Regel spucken sie, um ihre Dominanz in der Herde zu zeigen und das Rangverhältnis zwischen den Artgenossen zu klären oder aufdringliche Artgenossen auf Distanz zu halten. Dabei beweisen sie eine erstaunliche Treffsicherheit. Meistens wird halb verdauter Mageninhalt gespien, dies allerdings nur in kleinen Mengen. Die halbflüssige, grünliche Masse ist übelriechend, ansonsten aber harmlos und leicht abwaschbar. Gedeckte Lamastuten spucken auch Lamahengste an, um sie daran zu hindern, sie erneut zu decken, ein Hinweis darauf, dass die Stute tragend ist. Ein besonders aggressives Verhalten einiger junger, meist männlicher Lamas und Alpakas gegenüber Menschen infolge einer Fehlprägung stellt das Berserk male syndrome (BMS) dar. Es tritt mit dem Eintritt der Geschlechtsreife auf und kann zu aggressivem und für den Menschen gefährlichem Dominanzverhalten führen.
Gut sozialisierte und nach dem Absetzen an Halfter und Führstrick gewöhnte Lamas sind sehr freundlich und angenehm im Umgang. Sie sind äußerst neugierig und nähern sich meist bereitwillig Menschen. Werden Lamas jedoch mit der Flasche aufgezogen oder als Jungtiere übermäßig sozialisiert und angefasst, werden sie im Erwachsenenalter extrem schwierig zu handhaben. Dann verhalten sie sich gegenüber Menschen ähnlich wie untereinander, was sich in Spucken, Treten und Halskämpfen äußert.
Bei artgerechter Haltung ist es selten, dass Lamas Menschen anspucken. Lamas sind jedoch sehr soziale Herdentiere und bespucken sich manchmal gegenseitig, um rangniedrigere Tiere zu disziplinieren. Der Rang eines Lamas in einer Herde ist nie statisch. Sie können jederzeit durch kleinere Kämpfe auf- oder absteigen. Dies geschieht meist zwischen Männchen, um die Dominanz zu bestimmen. Ihre Kämpfe sind spektakulär und gekennzeichnet durch Spucken, Bruststöße, Nackenkämpfe und Tritte, hauptsächlich um den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die Weibchen spucken normalerweise nur, um andere Herdenmitglieder zu kontrollieren. Anhand der Zusammensetzung des Speichels lässt sich der Erregungszustand des Lamas erkennen. Je erregter das Lama ist, desto weiter hinten in den drei Magenabschnitten versucht es, Material für seinen Speichel zu gewinnen.

(c) craigjhowe
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(c) furiousking

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Lama als Herdenschutztiere
Ein Herdenschutzlama ist ein Lama, das in der Landwirtschaft zum Schutz von Schafen, Ziegen, Hühnern oder anderem Vieh vor Hundeartigen wie Kojoten, Dingos, Hunden, Füchsen und anderen Raubtieren eingesetzt wird.[1][2] Früher wurde ein einzelnes kastriertes Männchen empfohlen. In jüngerer Zeit hat sich jedoch gezeigt, dass einzelne, nicht trächtige Weibchen bessere und sicherere Herdenschutzlamas abgeben.
Hütelamas verteidigen sich auf vielfältige Weise gegen Raubtiere. Lamas sind von Natur aus wachsam und nehmen ihre Umgebung aufmerksam wahr. Sie können die Aufmerksamkeit auf einen Eindringling lenken, indem sie einen schrillen Alarmruf ausstoßen, der an ein rostiges Scharnier erinnert. Sie gehen oder laufen auf den Eindringling zu und jagen, treten oder bespucken ihn. Andere wiederum halten sich abseits der Gruppe und beobachten den Eindringling. Obwohl Lamas dafür bekannt sind, Raubtiere (wie Kojoten) zu töten, sollten sie nicht als Kampftiere betrachtet werden. Sie sind in der Regel nur gegen einzelne Eindringlinge effektiv, nicht gegen ganze Rudel. Wachlamas sind vor allem auf Ranches im Westen der USA verbreitet, wo größere Raubtiere wie der Kojote häufiger vorkommen. Allerdings wird nicht jedes Lama bewachen, und man sollte nicht automatisch davon ausgehen, dass ein Lama bewacht, nur weil es ein Lama ist.
Untersuchungen legen nahe, dass der Einsatz mehrerer Herdenschutzlamas weniger effektiv ist als der Einsatz eines einzelnen Tieres. Mehrere männliche Tiere neigen dazu, sich eher untereinander als mit den Nutztieren zu verbinden und die Herde unter Umständen zu vernachlässigen. Ein zweijähriger kastrierter Hengst baut instinktiv eine Bindung zu seinen neuen Schützlingen auf und ist sehr wirksam beim Schutz vor Raubtieren. Manche Lamas scheinen schneller eine Bindung zu Schafen oder Ziegen aufzubauen, wenn sie kurz vor dem Ablammen hinzugebracht werden. Viele Schaf- und Ziegenhalter berichten, dass sich zwischen Lämmern und ihrem Herdenschutzlama schnell eine besondere Bindung entwickelt und das Lama die Lämmer besonders beschützt.
Die meisten Untersuchungen zur Wirksamkeit von Herdenschutzlamas wurden an Schafen durchgeführt. Eine Studie aus dem Jahr 1990 ergab, dass 80 % der Schafhalter, die Herdenschutzlamas einsetzten, diese als wirksam oder sehr wirksam bewerteten. Die Studie zeigte, dass die durchschnittlichen Verluste durch Raubtiere nach dem Einsatz eines Herdenschutzlamas von 21 % auf 7 % sanken. In anderen Studien konnte bei über der Hälfte der Herdenschutzlamas der Verlust durch Raubtiere vollständig verhindert werden. Kojoten wurden von Lamas verletzt und sogar getötet.

Ein Hütelama beschützt eine Schafherde
Verwandtschaft
Der unmittelbare wilde Vorfahr des Lamas ist das Guanako (Lama guanicoe). Das Lama wurde vor etwa 5.000 bis 7.000 Jahren von den indigenen Völkern der Anden aus dem wildlebenden Guanako gezüchtet. Sowohl das Lama als auch das Guanako gehören zur Gattung Lama innerhalb der Familie der Kamele (Camelidae). Während das Lama vom Guanako abstammt, ist der Vorfahr des kleineren Alpakas das Vikunja (Vicugna vicugna).
Evolutionäre Wurzeln: Die gesamte Familie der Kamele stammt ursprünglich aus Nordamerika. Vor etwa 3 Millionen Jahren wanderten die Vorfahren der heutigen Neuweltkameliden nach Südamerika aus.
Das Guanako
Lama guanicoe
Das Guanako, auch Huanako genannt, ist eine wildlebende Art innerhalb der Familie der Kamele (Camelidae). Es lebt vor allem im westlichen und südlichen Südamerika und ist die Stammform des domestizierten Lamas.

Guanakos (Lama guanicoe)
Foto: Diego Carús
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Guanakohengste mit Revierstreitigkeiten im Nationalpark Torres del Paine, Chile (c) Greg Easton
Merkmale:
Guanakos erreichen eine Kopfrumpflänge von 120 bis 220 Zentimetern, eine Schulterhöhe von 120 Zentimetern und ein Gewicht von 100 bis 120 Kilogramm. Das Fell ist wollig und dicht; seine Farbe ist oberseits hellbraun und unterseits weiß, das Gesicht ist oft schwarz gefärbt. Das Fell besteht aus kurzen, gekräuselten und langen, gewellten Haaren,[1] die untere, verfilzte Schicht wirkt isolierend und schützt vor Kälte, die obere Schicht hält Schnee und Regen fern. Wie alle Kamele sind sie durch relativ langgestreckte, schlanke Beine, einen langen, dünnen Hals und einen kleinen Kopf charakterisiert. Die Füße haben zwei Zehen, die anstatt mit Hufen mit schwieligen Polstern versehen sind. Der Magen setzt sich wie bei allen Kamelen aus mehreren Kammern zusammen, was das Verdauen der Pflanzennahrung erleichtert.
Verbreitung und Lebensraum
Guanakos bewohnen die Anden in Peru, Ecuador, Bolivien, Chile und Argentinien sowie die Halbwüsten und Steppen Patagoniens. Ihr Habitat ist offenes Grasland, nur in harten Wintern gehen sie manchmal auch in Wälder. Man findet Guanakos in Höhen bis zu 4000 m.
Fortpflanzung:
Die Tragzeit der Weibchen dauert ein Jahr. Hiernach wird ein einziges Junges geboren, das sofort laufen kann und etwa 4 bis 6 Monate gesäugt wird. Die Lebensdauer eines Guanakos kann in menschlicher Obhut zwanzig bis dreißig Jahre betragen.
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Guanakos bei der Paarung (c) Cesar Ormazabal

Guanaoko-Fohlen im Zoologischen Garten Berlin

Säugendes Guanako (c) Nicolás Villaseca Merino
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Guanakostute mit Jungtier (c) Adrian Braidotti
Natürliche Feinde:
In freier Wildbahn ist ihr Hauptfeind der Puma. Junge und kranke Guanakos können auch von Andenschakalen getötet werden.
Domestikation:
Es wird allgemein angenommen, dass das Guanako bereits im dritten Jahrtausend vor Christus domestiziert wurde und dass das Lama von ihm abstammt. Neuere DNA-Untersuchungen haben ergeben, dass, anders als früher angenommen, das Alpaka wahrscheinlich nicht direkt vom Guanako abstammt, sondern vom Vikunja. Da aber alle Neuweltkamele untereinander kreuzbar sind und fertile Hybride gebären, sind diverse Einkreuzungen der beiden Wildformen sowohl bei Lama als auch bei Alpaka nicht auszuschließen.
Aufgrund der großen Überweidungsschäden, die Schaf- und Rinderherden in Patagonien angerichtet haben, werden auf einigen Estancias heute zur Fleischproduktion besser angepasste Guanakos gehalten.
Gefährdung:
Bei Ankunft der Spanier in Südamerika gab es schätzungsweise 50 Millionen wilde Guanakos. Seitdem wurden sie wegen ihres Fells gejagt, vor allem aber, um Weideland für die Schafherden zu gewinnen. Durch massenhaften Abschuss wurden die Bestandszahlen immer kleiner. Heute gibt es noch etwa 600.000 Guanakos, das ist nur noch etwas mehr als ein Prozent der ursprünglichen Zahl.

Guanako-Herde
(c) Andy Pollard - Falklands Nature

Guanako (Lama guanicoe)
(c) Sebastián Lescano

Guanako (Lama guanicoe)
(c) Nicolás Villaseca Merino

Guanako-Herde (c) Mariel Ruiz Blanco

Guanako-Herde (c) Jorge Herreros de Lartundo
Lama-Impressionen aus Südamerika

(c) Augusto Granda Guamán

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(c) Madison Reynolds

(c) Augusto Granda Guamán

(c) Juan Mauricio Contreras

(c) stefan hochreutener

(c) Javian Gallardo Valdivia

(c) Juan Luis Perello

(c) Mariana
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(c) Austreverta Tapia C.
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(c) MaggieF

(c) Timoteo Alarcon
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(c) xavierpiron

Lamaherde bei Putre (Región de Arica y Parinacota , Chile) (c) Cobi Calyx


