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Besondere Süßwasserbewohner

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Süßwasserstechrochen (Potamotrygonidae)

Die Süßwasserstechrochen (Potamotrygonidae), kurz Süßwasserrochen, sind eine in Südamerika lebende Familie der Rochen, sowie die einzige Familie der Knorpelfische, von denen die meisten Arten im Süßwasser vorkommen. Zu ihnen zählen fünf Gattungen mit derzeit 37 bekannten Arten. Die Familie ist Gegenstand aktueller Forschung, viele Arten wurden erst ab den 2010ern beschrieben.

Die Potamotrygonidae sind monophyletisch und eine Entwicklungslinie von Stechrochenartigen, die im Mündungsgebiet des Uramazonas lebten, als dieser noch in den Pazifik floss. Durch die Auffaltung der Anden wurden sie von ihrem bisherigen Lebensraum abgeschnitten. Die Familie entwickelte sich wahrscheinlich am Ende der Kreide oder im frühen Tertiär. Aus dem Eozän sind die Potamotrygonidae fossil überliefert. Sie zeigen durch die Reduzierung der Rektaldrüse und den geringen Harnstoffgehalt im Blut ihre Anpassung an das Süßwasser.

Es gibt auch Stechrochen in südostasiatischen Flüssen, wie den asiatischen Laos-Stechrochen (Hemitrygon laosensis) und die drei Arten der Gattung Fluvitrygon. Diese gehören jedoch nicht zu den rein neotropischen Süßwasserstechrochen, sondern zu den Stechrochen (Dasyatidae) und haben sich unabhängig von den Süßwasserstechrochen der Familie Potamotrygonidae entwickelt.

 

Merkmale:
Süßwasserstechrochen sind oft kreisrund, die Gattung Paratrygon etwas länger als breit. Sie haben keine Rückenflossen und keine Schwanzflosse. Der Schwanz ist peitschenförmig, mit einem giftigen, mit Widerhaken versehenen Stachel. Alle 6 bis 12 Monate wächst ein neuer Stachel nach.

Ihre Farbe ist meist braun, grau oder schwarz mit einer Zeichnung von farbigen Punkten, Flecken oder Kringeln. Sie erreichen je nach Art einen Durchmesser von 25 Zentimeter bis knapp über einen Meter (Ausnahme 1,5 bzw. 2 m bei Styracura).

 

Fortpflanzung:
Wie die meisten Rochen sind die Süßwasserrochen lebendgebärend (ovovivipar). Männliche Exemplare besitzen paarige Begattungsorgane, die  Klaspern. Dabei handelt es sich umgewandelte Bauchflossen, die röhrenförmig eingerollt sind und deren seitliche Enden einander überlappen. Klaspern geschlechtsreifer Tiere sind durch Kalksalze verstärkt.

Nach einer  Tragzeit von 80 und 150 Tagen (je nach Art und Umweltbedingungen) werden zwischen einem und sieben, seltener bis zwölf Jungfische geboren, die bei der Geburt noch Reste des Dottersacks haben können.

Verbreitung:
Die Süßwasserstechrochen sind ausschließlich in den tropischen Zonen Süd- und Mittelamerikas heimisch. Sie leben jedoch nur in Flüssen, die in den Atlantik oder in die Karibik münden, nicht jedoch im Bassin des Rio São Francisco. Die meisten Arten leben nur in einem Flusssystem, einige endemisch nur in einem bestimmten Fluss (z. B. Potamotrygon leopoldi). Nur wenige Arten, wie Potamotrygon motoro und Potamotrygon orbignyi, haben ein weiteres Verbreitungsgebiet, das mehrere Flusssysteme einschließt.

Krankheiten:

Einen gesunden Rochen erkennt man an seinem Verhalten: Gesunde Tiere sind aktiv, schwimmen im Becken herum und suchen nach Futter. Gesunde Rochen haben klare Augen und weisen keine optischen Verletzungen auf.

Verweigert ein Rochen das Futter, stimmt etwas nicht. Ausgehungerte Rochen erkennt man an den hervorstehenden Beckenknochen links und rechts vom Schwanz. Auch wenn ein Rochen apathisch auf dem Boden liegt, ist das Tier mit Sicherheit nicht gesund. Eine gefürchtete Krankheit, die immer zum Tode des Tieres führt, ist der sog. "Death Curl (Todes-Rolle)". Befallene Tiere rollen die Scheibenränder nach oben auf. Am Anfang sind nur die Flossenränder links und rechts vom Schwanz leicht angehoben. Im letzten Stadium ist die komplette Körperscheibe aufgerollt und das Tier wird in Kürze sterben. Die Ursachen für diese Krankheit sind noch immer ungeklärt. Bei einem gesunden Rochen liegt die Körperscheibe immer flach auf dem Bodensubstrat.

Süßwasserstechrochen können auch an der Karpfenlaus (Argulus foliacaeus), an der Flossenfäule (Columnaris-Krankheit), an Kiemenwürmern (Dactylogyrus) oder an (sekundären) Pilzinfektionen erkranken.

Systematik:

​☛ Auflistung der Gattungen auf Wikipedia

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Heliotrygon rosai (c) Anthony Giardenelli 

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Plesiotrygon iwamae (c) Doug W

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Paratrygon aiereba

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Feuerrochen (Potamotrygon henlei)

(c) KENNEDY BORGES

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Plesiotrygon iwamae (c) chiarabatkin

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Styracura schmardae (c) valeriia

Potamotrygon

Potamotrygon ist eine Gattung der Süßwasserstechrochen (Potamotrygonidae), deren Vertreter ausschließlich in südamerikanischen Flüssen wie dem Amazonas oder dem Río Paraná leben. Sie sind Gegenstand aktueller Forschung. Mehrere Arten wurden erst in den 2010ern beschrieben. Benannt ist die Gattung nach Trygon, dem griechischen Namen für eine Stechrochenart im Mittelmeer, und griechisch potamos für „Fluss“.

Merkmale:
Potamotrygon-Arten haben mittelkräftige Schwänze, die meist kürzer als die Körperscheibe bleiben. Die gut entwickelten Stacheln sitzen ein Stück von der Schwanzwurzel entfernt und weisen Längsrillen auf, über die Gift aus Drüsen an der Basis geleitet wird. Die Stacheln werden regelmäßig nachgebildet, bis zu vier können gleichzeitig vorhanden sein. Die Giftdrüsen produzieren Komponenten, die reich an den Proteinen Hyaluronidase, Cystatin und Calglandulin sind, welche auch aus anderen Tieren bekannt sind. Das Rochden-Gift ist sehr gefährlich; selbst Kratzer sind schmerzhaft. Tritt man auf einen im Sand vergrabenen Rochen, schlägt er mit dem Schwanz um sich. Dadurch kommt es in Südamerika jährlich zu tausenden Unfällen, die für kleine Kinder tödlich verlaufen können. Aus diesem Grund sind sie in der Bevölkerung weit mehr gefürchtet als Piranhas.

Rücken- und Schwanzflosse fehlen, aber der Schwanz weist hinter den Stacheln auf der Ober- und Unterseite membranartige Hautlappen mit rudimentären Strahlen auf. Die Augen sind mittelgroß.

Größe und Gewicht sind bei ihnen unterschiedlich stark ausgeprägt, so wird Potamotrygon brachyura fast einen Meter lang und wiegt etwa 200 kg, Potamotrygon motoro wird zwar ebenfalls bis zu einem Meter lang, wiegt aber nur etwa 15 kg und Potamotrygon ocellata wird nur 20 Zentimeter lang.

An verschiedenen Arten der Gattung wurde nachgewiesen, dass Süßwasserrochen über soziale Lernfähigkeit verfügen und Wasser auch als „Werkzeug“ zur Lösung von Problemen verwenden können.

Die Gattung Potamotrygon ist ausschließlich in Südamerika beheimatet und lebt in den großen Flusssystemen des Kontinents, hauptsächlich im Amazonasbecken und im Río Paraná (Paraná-Plata-Becken), einschließlich Zuflüssen wie dem Río Negro, Rio Tapajós, Rio Xingu sowie den Flusssystemen von Guyana und Suriname, in warmen, oft schlammigen Gewässern mit sandigem oder schlammigem Grund. 

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Bauchseite eines juvenilen Süßwasserstechrochens in unserer Aquarienanlage (c) Boensch

Das Auge eines vergrabenen  Rochens schaut aus dem Sand (c) Boensch

Potamotrygon scobina mit dem namensgebendem Stachel (c) Boensch

Systematik:

Wie eine Mitte 2021 veröffentlichte Untersuchung über die Verwandtschaft der Süßwasserstechrochen ergab, ist Potamotrygon brachyura die Schwesterart der Gattung Plesiotrygon und müsste deshalb entweder dieser Gattung zugeordnet werden oder in eine eigene Gattung gestellt werden. Potamotrygon motoro und Potamotrygon orbignyi stellen keine monophyletischen Arten da, sondern die Populationen der Arten aus verschiedenen Flusssystemen sind näher mit anderen Süßwasserstechrochen aus den gleichen Flusssystemen verwandt als mit ihren Artgenossen aus anderen Flusssystemen. Außerdem sieht es so aus, dass die Gattung zu sehr in einzelnen Arten aufgesplittert worden ist und Populationen von verschiedenen Potamotrygon-Arten aus gleichen Flusssystemen gemeinsame Kladen bilden.

​☛ Auflistung der Potamotrygon-Arten auf Wikipedia

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Potamotrygon brachyura (c) Luis G Restrepo

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Potamotrygon henlei

Potamotrygon histrix (c) João Menezes

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Potamotrygon jabuti (c) rafaspalding

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Potamotrygon jabuti

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Potamotrygon motoro (c) Bernard DUPONT

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Potamotrygon motoro (c) Tjalle Boorsma

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Potamotrygon leopoldi

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Aquarienhaltung von Süßwasserstechrochen:

Die Haltung von Süßwasserstechrochen erfordert sehr große Aquarien mit viel Grundfläche, für ein einzelnes Männchen kleinerer Rochenarten mind. 200 x 80 cm, für große Weibchen mind. 400 x 100 cm. Da sie Bodenbewohner sind, ist Sand als Bodengrund wichtig. Um Verletzungen zu vermeiden, sollte dieser weich und abgerundet sein. Eine starke Filterung sowie regelmäßige Wasserwechsel sind wegen ihrer Futteraufnahme und des damit verbundenen schnellen Stoffwechsels unerlässlich. Süßwasserstechrochen benötigen als tropische Fische, warme Wassertemperaturen (ca. 24-32° C) und sauberes Wasser. Der giftige Stachel macht sie zu keinen Anfängerfischen; bei Stichverletzungen ist sofort medizinische Hilfe zu suchen. 

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Potamotrygon scobina in einem unserer Aquarien

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Potamotrygon motoro

Leopoldsrochen
Potamotrygon leopoldi

Der Leopoldsrochen, manchmal auch "Schwarzer Teufelsrochen" genannt, ist ein Süßwasserfisch aus der Gattung Potamotrygon und der Familie der Süßwasserstechrochen (Potamotrygonidae). Er stammt, wie alle Vertreter seiner Familie, aus Südamerika und erreicht einen maximalen Scheiben-Durchmesser von etwa 60 cm (Weibchen).

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Potamotrygon leopoldi (c) josepvilanova im Museo di Storia Naturale Università di Pisa, Italien)

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Potamotrygon leopoldi im Dallas World Aquarium, Texas (United States). Foto: Michael Barera

Merkmale:

Die Körperscheibe ist fast kreisrund und länger als der Schwanz, die Oberseite der Körperscheibe ist schwärzlich, die Unterseite des Körpers ist weißlich. Der komplette Körper des Leopoldsrochen inklusive Schwanz ist mit hellen (gelblichen oder weißen) rundlichen Punkten bedeckt. Die gut entwickelten Giftstacheln sitzen etwas entfernt von der Schwanzwurzel und besitzen Längsrillen, über die Gift geleitet wird. Diese Giftstacheln werden regelmäßig nachgebildet.
Die Körperscheibe von Potamotrygon leopoldi kann einen Durchmesser von ca. 60 cm (Weibchen) bzw. 35 cm (Männchen) erreichen. 

Der Leopoldsrochen kann ca. 20 Jahre alt werden.

Lebensweise, Lebensraum, Vorkommen:
Das Verbreitungsgebiet des Leopoldsrochen (Potamotrygon leopoldi) ist Südamerika: das Xingu-Becken (Rio Xingu und Rio Fresco). Den Tag verbringt dieser Rochen im Sand eingegraben und nachts geht er auf Jagd nach Makrozoobenthos. Insektenlarven, Mollusken, Fschen, Süßwassergarnelen, kleinen Krebstieren und Würmern.

 

Haltung:
Da Rochen sehr viel Nahrung zu sich nehmen, können sich durch die Ausscheidungen die Wasserwerte schnell verschlechtern. Daher sind eine gute Filterung und regelmäßige Wasserwechsel unbedingt notwendig. Der Bodengrund sollte aus einem weichen Kiesgrund (kein Quarzsand!) bestehen. Zu scharfer Sand oder Kies wie z.B. Quarzsand kann Mikroverletzungen der Haut verursachen, aus denen dann Infektionen resultieren.

Es besteht auch die Möglichkeit, Rochen ohne Bodensubstrat auf dem blanken Boden zu pflegen (erfordert jedoch eine Eingewöhnung des Tieres) Es empfiehlt sich die Haltung als kleine Gruppe (z.B. 1 Männchen + 2 Weibchen). Rochen sind in der Regel friedlich und nicht territorial. Die Tiere sollten jedoch ausreichend gefüttert werden (mindestens 2 x pro Tag), damit kein Futterneid entsteht.

Weitere wichtige Informationen zur Haltung von Süßwasserstechrochen und der Giftigkeit ihres Stachels findet Ihr in der Familienbeschreibung der Süßwasserstechrochen (Potamotrygonidae).

Potamotrygon leopoldi im Haus der Natur Salzburg

Potamotrygon leopoldi im Haus der Natur Salzburg

Leopoldi-Rochen im Haus der Natur (Salzb

Potamotrygon leopoldi im Haus der Natur Salzburg

Pfauenaugen-Stechrochen
Potamotrygon motoro

Der Pfauenaugen-Stechrochen gehört zur Familie der Süßwasserstechrochen. Weibchen von Potamotrygon motoro können einen Scheibendurchmesser von 80 cm erreichen. Die Männchen besitzen an den Bauchflossen Klaspern, bleiben in der Regel um einiges kleiner und sind kontrastreicher aposematisch gefärbt (Warnfärbung) als die Weibchen.

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Potamotrygon motoro © Raimond Spekking

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Potamotrygon motoro von unten; Fast alle Rochenarten besitzen auf ihrer hellen Unterseite eine Anordnung von Körperöffnungen, die für das menschliche Auge wie ein lächelndes Gesicht aussieht.

Verbreitung und Lebensweise:
Der Lebensraum von Potamotrygon motoro sind die großen Flüsse Südamerikas, vor allem der Amazonas und Orinoco. Pfauenaugen-Stechrochen sind je nach Alter tag- und/oder nachtaktiv und durchwühlen den Flussgrund nach Würmern, Kleinkrebsen, Schnecken, Muscheln und Fischen.

In der Nacht suchen sie flache Uferbereiche auf und vergraben sich bis zum nächsten Morgen. Junge Rochen graben sich häufig tagsüber ein und gehen erst im Schutz der Dämmerung auf Nahrungssuche.

Die Giftdrüsen produzieren Komponenten, die reich an den Proteinen Hyaluronidase, Cystatin und Calglandulin sind, welche auch aus anderen Tieren bekannt sind, sowie die spezifischen Genprodukte DELTA-alicitoxin-Pse1b, Augerpeptid hhe53 und PI-actitoxin-Aeq3a, deren Wirkweise noch ungeklärt sind.

 

Fortpflanzung:
Nach einer Tragezeit von etwa drei bis vier Monaten bringen die lebendgebärenden Rochen zwischen 1 und 12 vollentwickelte Junge mit einem Körperdurchmesser von 6 bis 17 cm zur Welt.

 

Systematik:
Die Rochenart wurde 1841 durch die deutschen Zoologen Johannes Müller und Jakob Henle unter der Bezeichnung Taeniura motoro erstmals wissenschaftlich beschrieben. Später wurde sie der Gattung Potamotrygon zugeordnet. Wie eine Mitte 2021 veröffentlichte Untersuchung über die Verwandtschaft der Süßwasserstechrochen ergab, ist sie jedoch keine monophyletische Art, sondern die Populationen aus verschiedenen Flusssystemen sind näher mit anderen Süßwasserstechrochen aus den gleichen Flusssystemen verwandt als mit ihren Artgenossen aus anderen Flusssystemen. So bilden die im Flusssystem von Río Paraná und Río Paraguay gefangenen Exemplare von Potamotrygon motoro eine gemeinsame Klade mit den Arten Potamotrygon amandae, Potamotrygon falkneri, Potamotrygon histrix und Potamotrygon pantanensis und lassen sich genetisch von diesen Arten nicht klar oder überhaupt nicht unterscheiden. Im Rio Tocantins bildet die dortige Population von Potamotrygon motoro eine Klade mit Potamotrygon rex, die dort endemisch ist, und der Population von Potamotrygon orbignyi, ebenfalls eine nicht monophyletische Art, aus diesem Flusssystem.

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Potamotrygon motoro im Zoo Salzburg
© Boensch

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Potamotrygon motoro im Zoo Salzburg
© Boensch

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Potamotrygon motoro im Duisburger Zoo 
© Raimond Spekking

Belem-Süßwasserstechrochen
Potamotrygon scobina

Potamotrygon scobina ist eine Süßwasserstechrochenart, die im Rio Xingu und im Rio Manacapuru in Brasilien vorkommt. Das Verbreitungsgebiet reicht ungefähr von Manaus bis ins Mündungsdelta (Baja de Marajo).

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Auf den Bildern oben: Adultes Weibchen von Potamotrygon scobina. Es hat zum Zeitpunkt des Fotos einen Scheibendurchmesser von 35 cm und ist fast ausgewachsen. Damit bleibt diese Rochenart deutlich kleiner als die meisten anderen Stechrochen-Arten. (c) Boensch

Wie alle Stechrochen ernährt sich auch P. scobina ausschließlich karnivor. Jungtiere bevorzugen Insektenlarven und Würmer, größere und adulte Tiere auch Fisch, Garnelen und Muscheln.

Wie die meisten Rochen sind Süßwasserstechrochen lebendgebärend (ovovivipar). Pro Wurf kann ein Weibchen von P. scobina 1 - 4 Jungtiere, nach einer Tragzeit von ca. 100 Tagen auf die Welt bringen.

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Frisch geborenes Jungtier von P. scobina (c) Boensch

Bilder oben: Halbwüchsige Potamotrygon scobina (c) Boensch

Auf den Bildern oben: Halbwüchsiges Päärchen von Potamotrygon scobina in unserer Aquarienanlage. Das hellere Tier ist das Männchen. 

Aquarien-Haltung:

Potamotrygon scobina ist ein lebhafter Rochen, der auch gerne frei im Wasser schwimmt. Die Tiere sind in der Regel recht friedlich gegenüber anderen Fischen. P. scobina sollte jedoch nicht mit größeren und aggressiveren Rochenarten vergesellschaften. 

Die Wasserparameter sollten wie folgt aussehen: Temperatur: 25 °C - 28 °C; pH-Wert: 6,0-7,5; Gesamthärte: 5° - 8° dH (optimal 7°)
Nitrat: bis 200 mg/l (besser 100 mg/l); Nitrit: unter 0,1 mg/l (sollte im nicht messbaren Bereich liegen).

Vergesellschaftung mit Fischen
Zur Vergesellschaftung mit Potamotrygon scobina eignen sich Fische über 6 cm Länge. Bei uns werden selbst kleinere Fische, wie Blutsalmler mit etwa 5 cm nicht gefressen. Scobinas haben im Vergleich zu anderen gleich großen Rochenarten einen viel kleineren Mund, daher nehmen sie auch kleinere Nahrung zu sich. Bei uns lebten die Rochen schon in Gesellschaft von Diskusfischen, Messerfischen, Skalaren, Salmlern und verschiedenen Welsen, wie Panzer- und Schwielenwelsen, Harnischwelsen und einem adulten Wabenschilderwels. Das Zusammenleben funktionierte meist problemlos. Nur die relativ empfindlichen Diskusfische können unter dem teilweise dämmerungs- und nachtaktiven Verhalten der Rochen leiden, da die Rochen bei nächtlichen Streifzügen durchs Aquarium die schlafenden Diskusbuntbarsche erschrecken und somit stressen. Ansonsten kommt es aber kaum zu Auseinandersetzungen. Auf ausreichend Futter muss allerdings geachtet werden, damit alle Aquarienbewohner genug erwischen auch am Boden bei den Rochen etwas ankommt. Bei der Vergesellschaftung müssen auch die Bedürfnisse der anderen Fische beachtet werden, so muss für ausreichend Versteckmöglichkeiten gesorgt werden. Diese Verstecke sind wichtig, da Rochen, wie oben erwähnt hauptsächlich nachtaktiv sind und schlafende Fische stören können. Deshalb ist auch auf eine ausreichend große Grundfläche und Strukturierung des Beckens mit Wurzeln und Ähnlichem zu achten, so können sich die verschiedenen Beckenbewohner aus dem Weg gehen.

Vergesellschaftung mit Schildkröten
Zur Vergesellschaftung mit Potamotrygon scobina eignen sich auch einige Schildkrötenarten. Wir selbst haben hierbei nur Erfahrungen mit einigen tropischen Arten gesammelt. Die Rotbauch-Spitzkopfschildkröte Emydura subglobosa und die Amazonas-Krötenkopfschildkröte Batrachemys raniceps eignen sich aufgrund ihrer relativ friedlichen Art und den ähnlichen Temperatur- und Nahrungsansprüchen recht gut für eine Vergesellschaftung mit eher klein bleibenden Rochen, wie Potamotrygon scobina.
Die Batrachemys raniceps passt dabei besonders gut, da sich beide Arten auch im natürlichen Lebensraum begegnen. Außerdem verlassen beide hier genannten Schildkrötenarten nur sehr selten das Wasser für Sonnenbäder. Der Landteil kann also recht spärlich ausfallen und eine UV-Bestrahlung, wie bei anderen Schildkröten unabdingbar ist bei diesen beiden tropischen Wasserschildkrötenarten nicht unbedingt nötig. Für weibliche Tiere muss allerdings ein Eiablageplatz vorgesehen werden.
Weitere Infos zur Schildkrötenhaltung gibt es auf der Seite: Sumpf- und Wasserschildkröten.
Bei der Vergesellschaftung von Rochen und Schildkröten muss sehr aufmerksam und vorsichtig vorgegangen werden. Sollte die Schildkröte versuchen nach den Rochen zu schnappen oder die Rochen versuchen die Schildkröte mit ihrem Stachel abzuwehren, müssen die Schildkröten sofort von den Rochen getrennt werden. Wir haben allerdings niemals schlechte Erfahrungen bei der Vergesellschaftung dieser Arten gemacht. In der Regel begegnen sich Rochen und Schildkröten mit gegenseitigem Respekt, wobei die recht kurzsichtigen Schildkröten schon einmal über einen am Boden ruhenden Rochen laufen, was diesem nicht sonderlich gefällt. Zu ernsthaften Zwischenfällen oder Angriffen kam es bei uns bis jetzt jedoch nicht. In unserem 2000 Liter fassenden Becken können sich die Tiere natürlich auch aus dem Weg gehen. Da für eine dauerhafte Rochenhaltung ohnehin größere Becken notwendig sind, soll dies aber nur eine Randnotiz darstellen. Im Hinterkopf sollte man stets behalten, dass eine Schildkröte einen Rochen mit ihrem kräftigen Schnabel und ihren Krallen schwer verletzen kann und ein Stechrochen seinerseits eine Schildkröte mit seinem Stachel sogar töten kann.
Grundsätzlich sind solche spezielle Vergesellschaftungsformen nur etwas für Erfahrene Halter. Beide Tierarten unterscheiden sich doch grundlegend in ihrem Verhalten und einige Voraussetzungen müssen unbedingt geschaffen werden, damit eine solche Tiergemeinschaft dauerhaft funktioniert und alle Haltungsansprüche erfüllt werden.

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Potamotrygon sconina mit Diskusbuntbarschen (Symphysodon aequifasciatus)

Potamotrygon sconina mit Diskusbuntbarschen vergesellschaftet. Von dieser Kombi ist eher abzuraten um Stress für die Diskus zu vermeiden.

Potamotrygon sconina mit Pterophyllum altum. Eine Vergesellschaftung mit Skalaren funktioniert in der Regel ohne Probleme.

Verschiedene südamerikanische Buntbarsche. Gerade Heros-Arten eignen sich gut zur Vergesellschaftung mit P. scobina.

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Potamotrygon scobina neben Amazonas-Krötenkopfschildkröte (Mesoclemmys raniceps)

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Eine Vergesellschaftung mit Mesoclemmys raniceps funktionierte bei uns stets problemlos.

Auch Rochen untereinander können problematisch sein, besonders bei geschlechtsreifen Männchen kann es zu innerartlichen Aggressionen kommen. Auch den Weibchen gegenüber kann es zu Problemen kommen. Beim Paarungsakt verbeißt sich das Männchen am Flossensaum des Weibchens. Ist das Männchen zu aufdringlich und ständig paarungsbereit, kann dies ein Weibchen sehr stressen und dazu führen das ein Weibchen nicht mehr richtig frisst. Außerdem können sich die Bissverletzungen, die bei den Paarungsakten entstehen infizieren. In beiden Fällen muss der Halter eingreifen. Bei uns hat es geholfen, Männchen hin und wieder für einige Wochen zu separieren, so dass das die Wunden des Weibchens in Ruhe heilen konnten.

Juveniles Pärchen von Potamotrygon scobina

Subadultes Pärchen von Potamotrygon scobina

Weitere Stechrochen im Süßwasser

Neben den oben vorgestellten Vertretern aus der Familie Potamotrygonidae, gibt es noch weitere Stechrochenarten die im Süßwasser leben. Diese sind entweder aufgrund ihrer Größe kaum für eine Aquarienhaltung geeignet oder sind in Deutschland schlicht weg nicht erhältlich, da sie nicht importiert werden . Der Vollständigkeit halber stellen wir diese Rochenarten dennoch vor.

Fluvitrygon

Fluvitrygon ist eine erst Mitte 2016 eingeführte Gattung aus der Familie der Stechrochen (Dasyatidae). Die drei Arten der Gattung leben im Süßwasser und im Brackwasser von Flussmündungen in Südostasien. Das Verbreitungsgebiet umfasst den Einzugsbereich von Chao Phraya und Mae Nam Tapi in Thailand, den des Mekong in Thailand und Kambodscha, die Malaiische Halbinsel, Borneo und Sumatra.

Merkmale:
Fluvitrygon-Arten sind kleine bis mittelgroße Rochen, die eine Körperscheibenbreite von 28 bis 60 cm erreichen. Die Körperscheibe ist oval oder fast rund, die äußeren Enden der Brustflossen breit abgerundet. Die Bauchflossen sind mittelgroß und werden fast vollständig durch die Körperscheibe verdeckt. Die Schnauze ist weitwinkelig zugespitzt oder stumpf. Die leicht hervorstehen Augen sind klein. Das Maul ist schmal bis mittelgroß und von zwei bis acht Oralpapillen umgeben. Der peitschenartige Schwanz ist kurz oder lang. Seine Länge kann das 1,3 bis 3,8-fache des Körperscheibendurchmessers erreichen. Die Schwanzbasis ist schmal und im Querschnitt oval oder fast rund. Der Schwanz besitzt keine dorsalen oder ventralen Hautfalten. Der Stachel sitzt weit vorne auf dem Schwanz. Eine mittige Dornenreihe auf dem Schwanz fehlt oder ist nur wenig ausgeprägt. In den meisten Fällen hat der hintere Schwanzbereich ausgewachsener Exemplare einige kleine Dentikel. Im mittleren Schulterbereich befinden sich bis zu zwei perlenartige Dornen, auf dem Rücken ein Dentikelband, dessen Ränder klar abgegrenzt oder diffus sind. Der übrige Rücken ist normalerweise schuppenlos. Auf dem Rücken sind die Fluvitrygon-Arten einfarbig oder kräftig gemustert, die Bauchseite ist weiß. Die Ränder der Körperscheibe können abgedunkelt sein. Der Schwanz ist einfarbig oder gemustert.


Systematik:
Die Gattung Fluvitrygon wurde Mitte 2016 durch den australischen Meeresbiologen Peter R. Last, den US-amerikanischen Fischkundler Gavin J. P. Naylor und einen weiteren Kollegen eingeführt. Die drei Arten der Gattung gehörten vorher zu Himantura. Der Gattungsname setzt sich aus „fluvius“, dem lateinischen Wort für Fluss und „trygon“, einer griechischen Bezeichnung für Rochen zusammen und nimmt auf das Vorkommen in Süßgewässern Bezug. Von Brevitrygon, der marinen Schwestergattung, unterscheidet sich Fluvitrygon vor allem hinsichtlich der Morphologie des Schwanzes.

Gegenwärtig (November 2016) werden drei Arten in die Gattung Fluvitrygon gestellt:

  • Fluvitrygon kittipongi:
    F. kittipongi ist ein kleiner, im Mae Klong und im Chao Phraya im westlichen und mittleren Teil der Zentralregion von Thailand und möglicherweise auch im Pahang auf der malaiischen Halbinsel in Malaysia vorkommender Stechrochen.

  • Fluvitrygon oxyrhynchus:
    F. oxyrhynchus ist eine kleine, nur wenig erforschte und sehr seltene Stechrochenart, die im Süßwasser und Mündungsbereichen weniger Flüsse in Kambodscha, Süd-Vietnam, Thailand, Sumatra und Borneo vorkommt.

  • Fluvitrygon signifer:
    F. signifer ist eine sehr seltene Stechrochenart, die im Süßwasser und Mündungsbereichen von Flüssen in Thailand, Sumatra und Borneo vorkommt. Nachgewiesen wurde sie im Kapuas im westlichen Borneo, im Indragiri auf Sumatra, im Perak im Westen der Malaiischen Halbinsel und im unteren Chao Phraya in Thailand.

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Fluvitrygon kittipongi

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Fluvitrygon oxyrhynchus
im Shedd Aquarium in Chicago (USA)

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Fluvitrygon signifer

Laos-Stechrochen
Hemitrygon laosensis

Der Laos-Stechrochen gehört zur Familie der Stechrochen (Dasyatidae) und lebt in den Flüssen Mae Nam Chao Phraya und Mekong in Thailand und Laos. Hemitrygon laosensis lebt meist nah über sandigem Grund im Mekong und Chao Phraya in vermutlich getrennten Populationen. Dort ernährt er sich von bodenbewohnenden Wirbellosen. Die Art ist ovovivipar mit Würfen von meist einem Jungtier.

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Hemitrygon laosensis (c) BEDO (Thailand)

Merkmale:
Die Rochenart hat eine ovale Brustflossen-Scheibe, die etwas länger als breit ist. Sie erreicht Breiten bis 62 cm bei einem Gewicht von maximal 30 kg. Die Spitze der Schnauze ragt nach vorne hin leicht über Scheibe hinaus. Die Augen sind klein, gefolgt von etwas größeren Spritzlöchern. Der Schwanz ist peitschenartig und etwa zweimal so lang, wie die Scheibe breit. Auf der Oberseite des Schwanzes trägt sie einen, selten zwei Giftstachel. Die Oberseite ist braun, die Unterseite blass, mit großen, unregelmäßigen gelborangenen Flecken und einem orangeroten Rand.

Riesen-Süßwasserstechrochen
Urogymnus polylepsis

Der Riesen-Süßwasserstechrochen ist eine Fischart aus der Familie der Stechrochen (Dasyatidae) , die im Mae Nam Chao Phraya und im Mekong sowie in großen Flüssen auf Borneo vorkommt. Die Art wurde 1852 beschrieben und gehört zu den größten Süßwasserfischen der Welt. Sie gilt aufgrund ihres disjunkten Verbreitungsgebiets, der Gefährdung ihrer Lebensräume und der Befischung durch Sportfischer oder als Beifang in manchen Populationen als bedroht.

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Urogymnus polylepsis (c) BEDO (Thailand)

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Urogymnus polylepsis (c) Barry Rogge

Merkmale:
Urogymnus polylepis ist ein sehr großer Rochen mit einer breiten aber dünnen, ovalen Körperscheibe mit spitz verlängerter Schnauze. Am Schwanz setzen, wie bei allen Vertretern der Gattung, keine Lappen an. Das Auge ist sehr klein. Die Körperoberseite ist mit Placoidschuppen bedeckt und einfarbig braun oder grau. Die Bauchseite ist weiß mit einem breiten, schwarzen Rand, der an der Vorderseite mehr oder weniger stark unterbrochen ist. Der Schwanz ist peitschenartig lang und dünn und trägt einen einzelnen, giftigen Stachel. Der Durchmesser der Scheibe beträgt bis zu 2,40 Meter, die Gesamtlänge mit Schwanz kann bis zu fünf Meter erreichen. Wahrscheinlich werden die Weibchen größer als die Männchen. Das publizierte Maximalgewicht liegt bei 600 Kilogramm.

 

Lebensweise:
Urogymnus polylepis hält sich auf dem sandigen Grund großer Flüsse auf und ernährt sich von Wirbellosen und Fischen. Die Art besiedelt ausschließlich Süßwasserbereiche und ist lebendgebärend.

 

Systematik:
Die Art wurde im Jahr 1852 durch den niederländischen Ichthyologen Pieter Bleeker unter der Bezeichnung Trygon polylepis erstmals wissenschaftlich beschrieben.

Wegen der weiten Verbreitung und den sehr unterschiedlichen Größen verschiedener Populationen, vor allem zwischen Tieren aus Thailand und denen aus Australien wurde vermutet, dass es sich um unterschiedliche Arten handeln könnte. Die Tiere aus Java unterscheiden sich ebenfalls von den anderen Populationen und selbst die verstreut in Thailand vorkommenden Populationen könnten verschiedenen Arten angehören. Die Tiere aus Australien und Neuguinea wurden ebenfalls im Zuge der Arbeit von Last und Manjaji-Matsumoto im Jahr 2008 als eigenständige Art, Himantura dalyensis beschrieben. Bei einer Mitte 2016 erfolgten Revision der Dasyatidae wurden Himantura polylepis und Himantura dalyensis in die Gattung Urogymnus gestellt.

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