Steckbrief:
Zwergkrug, Westaustralische Kannenpflanze
Cephalotus follicularis
Der Zwergkrug ist die einzige Pflanzenart der Familie der Zwergkruggewächse (Cephalotaceae) innerhalb der Ordnung der Sauerkleeartigen (Oxalidales). Er kommt ausschließlich in einem kleinen Areal im äußersten Südwesten Australiens unter feuchten Bedingungen vor und ist eine fleischfressende Pflanze. Ähnlich wie die nicht näher verwandten Kannenpflanzen fängt er seine Beute mit Fallgrubenfallen.
Kultivierung:Die Zwergkrug-Pflege ist nicht ganz einfach und daher eher etwas für fortgeschrittene Karnivoren-Liebhaber. Mit ein wenig Geschick lässt sich diese faszinierende fleischfressende Pflanze nicht nur im Gewächshaus, sondern auch auf der Fensterbank oder dem Balkon erfolgreich kultivieren.
Habitus:
Der Zwergkrug ist eine immergrüne, ausdauernde, krautige Pflanze, die in bodenständigen Rosetten mit einer Wuchshöhe von bis zu 10 Zentimetern wächst.
Das Rhizom ist dick, knotig, mit zahlreichen Schuppenblättern bedeckt und verzweigt sich stark. An seinen Ausläufern bildet es neue Rosetten, so dass mit zunehmendem Alter große Horste entstehen. Aus dem Rhizom bilden sich zahlreiche faserige Wurzeln, junge Pflanzen haben noch eine Pfahlwurzel, die jedoch bald abstirbt.
Karnivorie:
Nachdem der Krug ausgebildet wurde, hebt sich der Deckel vom Peristom und der Krug ist fangbereit. Verdauungsflüssigkeit befindet sich bereits im Krug. Die Beutetiere werden mittels Nektarabscheidungen an der Unterseite des Krugdeckels sowie zwischen den Rillen des Krugrandes angelockt, stürzen hinein und ertrinken. Die Flüssigkeit enthält Enzyme, die die Nährstoffe aufschließen, darunter Esterasen, Phosphatasen und Proteasen. In der Mehrzahl der Fälle werden Ameisen gefangen.
Fallen als Biotope:
Wie bei allen anderen fleischfressenden Pflanzenarten mit Gleitfallen ist die Fallenflüssigkeit zugleich ein Biotop für andere Lebewesen. Eine 1985 veröffentlichte Studie zählte 166 verschiedene Arten, darunter 82 % Protozoen, 4 % Wenigborster und Nematoden, 4 % Gliederfüßer (Ruderfußkrebse, Zweiflügler und Milben), 2 % Rädertierchen, 1 % Bärtierchen und 7 % andere (Bakterien, Pilze, Algen). Insbesondere Bakterien und Pilze scheiden ebenfalls Verdauungsenzyme aus und unterstützen so den Verdauungsprozess der Pflanze. Besonders auffällig ist, dass die Fallen die „Kinderstube“ zweier Zweiflügler-Arten sind. Neben den Larven einer Dasyhelea-Art leben auch die Larven der Stelzenfliege Badisis ambulans in den Kannen.
Verbreitung und Gefährdung:
Die Pflanze ist endemisch im australischen Südwesten, in den Küstengebieten nordöstlich von Albany in einer Zone von rund 400 Kilometern zwischen Augusta und Cape Riche. Innerhalb seines Areals ist der Zwergkrug häufig. Zu finden ist er vorzugsweise in Torfmoospolstern auf durchgängig feuchten, jedoch gut drainierten, sauren Torfböden über Granit, in Sickerwasserbereichen, entlang von Flussufern oder unter sogenannten Tussock, horstartig wachsenden Gräsern (z. B. aus Restionaceae).
Der Zwergkrug wird aufgrund seines beschränkten Verbreitungsgebietes von der IUCN als „Gefährdet“ (Vulnerable) eingestuft. Eine akute Gefährdung liegt jedoch nicht vor. Da Teile seines Verbreitungsgebietes geschützt sind und die Pflanzen innerhalb ihres Verbreitungsgebietes häufig sind, wurden sie vom CITES-Anhang II gestrichen.
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Artikelnummer: AKW0404
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