Steckbrief:
Europäische Süßwassergarnele
Atyaephyra desmarestii
Größe:
bis 3,5 cm
Temeperatur-Toleranzbereich:
10 - 25 °C
pH-Wert:
6.0 bis 8.0
Gesamthärte:
4 - 20 °dgH
Aquarium:
ab 30 Liter
Ernährung:
Algen, Plankton, kleine Wassertiere, Detritus, Laub und abgestorbene Pflanzenteile
Wissenswertes:
Atyaephyra desmarestii ist eine im Süßwasser und Brackwasser lebende Garnelenart des westlichen Mittelmeergebiets. Sie wurde vom Menschen als Neozoon nach Mitteleuropa eingeschleppt. Sie ist in den meisten Oberflächengewässern Mitteleuropas die einzige Süßwassergarnele.
Entwicklung und Lebenszyklus:
Die Art ist einjährig, in Teilen ihres Verbreitungsgebiets zweijährig. Im Labor lebten Individuen aus dem Rhein meist 12 bis 15, maximal 29 Monate, hier kam es partiell bei einigen Tieren zu einer zweiten Überwinterung. Auch mehrjährige Individuen können sich aber nur einmal fortpflanzen (sie sind dann semivoltin), sie werden etwas größer als einjährige. Eiertragende Weibchen wurden in Nordafrika von März bis Oktober, in Frankreich von April bis August beobachtet. Die Weibchen tragen jeweils etwa 300 bis 400, maximal bis zu 1.500 Eier. Die Zahl der adulten Tiere geht im Sommer stark zurück, das Maximum der Jungtiere liegt im Spätsommer. Die Jungtiere leben kaum im freien Wasser, sie suchen Schutz zwischen Wasserpflanzen oder unter überhängenden Wurzeln. Die Entwicklung erfolgt über zwei verschiedene Larvenformen. Aus dem Ei schlüpft eine wenig mehr als einen Millimeter lange Zoea. Die ersten beiden Stadien nehmen keine Nahrung auf, sie ernähren sich vom Dottervorrat aus dem Ei. Das sechste Zoea-Stadium häutet sich zu einer Megalopa, auf die ein Jungtier mit den geschlechtsreifen Tieren entsprechender Morphologie folgt. Die ersten Larvenstadien werden in drei bis vier Tagen, die späteren in neun bis zehn Tagen durchlaufen.
Verbreitung:
Die Art, in der Auffassung der modernen taxonomischen Revisionen, ist natürlicherweise im westlichen Mittelmeerraum verbreitet. Das Verbreitungsgebiet umfasst das küstennahe Nordafrika (Marokko und Tunesien), die Iberische Halbinsel, Südfrankreich und Italien, einschließlich der Inseln Korsika, Sardinien und Sizilien. Ein inselartiges Vorkommen existiert im nordwestlichen Griechenland, es geht eventuell auf Einschleppung zurück. Durch den Bau von Schifffahrtskanälen über frühere Wasserscheiden hinweg, und vermutlich auch durch Verschleppung im Ballastwasser von Schiffen, wurde die Art als Neozoon in den Norden Frankreichs eingeschleppt, von wo sie sich ostwärts weiter ausbreitete. Sie wurde in Paris 1843, in Belgien, 1888 und in Holland 1916 zuerst nachgewiesen, Metz wurde 1925, Strassburg 1929 erreicht. Der erste deutsche Fund von 1932 stammt von Rees am Niederrhein. 1936 erreichte sie, über den Mittellandkanal, Hannover. Über den später neu gebauten Main-Donau-Kanal konnte sie vom Main (Erstnachweis 1983) auch ins Donau-Einzugsgebiet vordringen, der Erstnachweis aus der Donau stammt von 1997. Hier wurde bereits 1998 der Erstfund auch für Österreich gemacht, inzwischen ist sie bis zur Mündung im Schwarzen Meer vorgedrungen. Über die Elbe erreichte sie 2007 die Tschechische Republik. Der Erstnachweis für Polen, aus der Oder, erfolgte 2002.
Ökologie:
Die Art lebt in stehenden und in langsam fließenden Oberflächengewässern. In Flüssen bevorzugt sie Nebengewässer oder strömungsberuhigte Zonen, sie besitzt eine besondere Vorliebe für Schifffahrtskanäle oder für die Schifffahrt durch Stauhaltungen regulierte Flussabschnitte. Sie bevorzugt sauerstoffreiches, belichtetes Wasser mit reichem Pflanzenwuchs. Im Saprobiensystem ist sie mit einem Indikatorwert von 1,9 eine Zeigerart der Gewässergüteklasse II. Gegenüber Verschmutzungen durch giftig (toxisch) wirkende Substanzen ist sie relativ tolerant. Die Süßwassergarnele ist omnivor. Neben Algen, Plankton, kleinen Wassertieren wie Schlammröhrenwürmern und Detritus kann sie sich auch von ins Wasser gefallenem Falllaub ernähren. Selbst werden sie zur Beute von Schwimmkäfern, Libellenlarven und Fischen wie dem Flussbarsch.
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Artikelnummer: AKW0348
6,90€Preis
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